Italienisches phänomen: der „bandit“ vergallito erobert die rundfahrt
Die Giro d’Italia hat einen neuen Star: Luca Vergallito. Der 27-jährige Italiener, der sich über die Zwift Academy ins Profi-Rennen katapultierte, sorgt derzeit für Furore. Sein ungewöhnlicher Werdegang und seine Leistungen machen ihn zu einer der spannendsten Figuren der aktuellen Radszene.
Von der virtuellen welt auf die bergseen
Vergallitos Geschichte ist alles andere als konventionell. Keine jahrelange Mühsal in den Jugendklassen, stattdessen ein Aufstieg über die Bildschirme. 2022 gewann er die Zwift Academy, ein virtuelles Radrennen, das ihm den Sprung in die Profowelten des Alpecin-Premier Tech Teams ermöglichte. Eine Premiere im Radsport, die zeigt, dass talentierte Fahrer auch außerhalb der traditionellen Strukturen auf sich aufmerksam machen können.
Der Spitzname „il bandito“ (der Bandit) begleitet ihn dabei schon seit seiner Jugend. Ursprünglich ein Scherz seines Vaters, der ihn so nannte, weil er als Jugendlicher auf Strava oft die besten Zeiten erreichte und seine Identität verborgen hielt, hat sich der Name zu einem Markenzeichen entwickelt. „Es war ein lustiger Spitzname“, erklärt Vergallito. „Ich habe meinen Namen auf Strava geändert und es hatte etwas Geheimnisvolles.“

Überraschungskanone in österreich
Seine ersten Erfolge feierte Vergallito bereits 2023 bei der Oberösterreich Rundfahrt. Ausgehend von einer bescheidenen 29. Position im Gesamtklassement schlug er im letzten Etappenrennen überraschend zurück und sicherte sich den Gesamtsieg. Eine Leistung, die die Radsportwelt aufmerksam machte und seine Ambitionen verdeutlichte. Die Fähigkeit, auch unter Druck Höchstleistungen zu erbringen, zeichnet ihn aus.
Auch in der Volta a Catalunya zeigte Vergallito sein Potenzial, als er als bester Italiener auf dem siebten Platz im letzten Etappenrennen landete. Ein Beweis für seine stetige Weiterentwicklung und seinen Anspruch, sich an die Spitze des Radsports zu kämpfen.

Wissenschaftlicher ansatz und podcasts
Vergallito ist nicht nur ein talentierter Fahrer, sondern auch ein begeisterter Verfechter eines wissenschaftlichen Ansatzes im Radsport. Als Absolvent der Sportwissenschaften an der Universität Mailand und mit Erfahrungen in der Bakala Academy widmet er sich intensiv der Analyse von Trainingsmethoden und physiologischen Faktoren. Gemeinsam mit Mattia Gaffuri betreibt er den Podcast „Ciclismo KOMpetente“, in dem er sein Wissen und seine Expertise mit anderen Radsportbegeisterten teilt.
Die Tatsache, dass er parallel zu seiner sportlichen Karriere sein Wissen teilt, unterstreicht seine Leidenschaft für den Radsport und seinen Wunsch, ihn weiterzuentwickeln.

Giro d'italia: die heimrunde
Nun steht für Vergallito ein weiterer Meilenstein an: die Giro d’Italia. Die 15. Etappe führt ihn in seine Heimatstadt Mailand. Nach einem turbulenten Start der Rundfahrt, der durch einen Massensturz von Alpecin-Premier Tech geprägt war, blickt Vergallito optimistisch nach vorne. „Es ist wunderbar, hier in Bulgarien zu sein und ich freue mich darauf, nach Italien zu kommen“, sagt er. „Wir wurden von dem Sturz am Ende in Burgas beeinträchtigt, aber zum Glück ist niemand schwer verletzt.“
Luca Vergallito, der „Bandit“ aus Mailand, hat sich in die Welt des Radsports eingeschrieben und seine Erfolgsgeschichte ist noch lange nicht zu Ende. Seine ungewöhnliche Karriere und sein Ehrgeiz machen ihn zu einem der spannendsten Fahrer der aktuellen Saison. Die Frage ist nicht, ob er die Giro d’Italia dominiert, sondern wie weit er gehen kann.
