Italienischer fußball am scheideweg: zweite mannschaften als rettung?

Mailand – Die Zukunft des italienischen Fußballs hängt am seidenen Faden. Das wurde in einem hochkarätigen Podiumsgespräch vor dem Coppa Italia Primavera-Finale zwischen Atalanta und Juventus deutlich. Während die jungen Talente auf dem Rasen ihr Bestes gaben, diskutierten Entscheidungsträger über die strukturellen Probleme und mögliche Lösungen. Die Lage ist ernst, wie sie ist.

Die bittere realität: nur 2% schaffen den sprung

Federico Cherubini, Geschäftsführer von Parma, schlug Alarm: „Die Zahlen lügen nicht. Von unseren Jugendakademien kommen 190 Spieler, davon 170 in Italien, die in den Top-Fünf Ligen Europas spielen. Das ist ein bescheidener Wert, wenn man bedenkt, dass Spanien bereits 470 und auch Frankreich und England besser sind. Lediglich 2% der Spieler, die die Primavera verlassen, finden eine feste Anstellung im Profikader.“ Das ist eine erschreckende Bilanz, die dringenden Handlungsbedarf signalisiert. Die Investitionen in die Jugend scheinen sich kaum auszuzahlen, und die Konkurrenz im Ausland ist deutlich stärker.

Cherubini erinnerte an die Erfahrungen von Juventus im Jahr 2017, als man als Pionier in Italien das Modell der zweiten Mannschaften einführte. „Wir fragten uns, welchen Weg junge Spieler nehmen sollten, die verliehen werden – damals zwischen 40 und 70, oft mit hohen Kosten und wenig Perspektive. Wir schauten ins Ausland und starteten das Zweitmannschaftsprojekt.“ Ein Projekt, das offenbar dringend skaliert werden muss.

Fabio Paratici, Sportdirektor der Fiorentina, war noch deutlicher: „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem der italienische Fußball ausstirbt, wie Eisbären. Wir müssen uns alle verantwortlicher fühlen.“ Paratici betonte die Bedeutung der U23-Nationalmannschaft als „letzte Stufe im Wachstum des Spielers“ und forderte eine sorgfältigere Bewertung der Talente, die oft zu früh und rein technisch beurteilt werden. „Es geht nicht nur um Strukturen, wie oft behauptet wird. 2006 wurden wir Weltmeister mit weniger Infrastruktur.“

Das modell zweitmannschaft: chance oder illusion?

Das modell zweitmannschaft: chance oder illusion?

Alberto Bollini, der Trainer der italienischen U19-Nationalmannschaft, hob die „intuitive“ und lernwillige neue Generation hervor, die jedoch „Kompetenzen erwartet, weil sie selbst mehr hat als früher.“ Er plädierte für eine Rückbesinnung auf die technische Ausbildung und weniger auf die reine Taktik. Auch Carlalberto Ludi, Sportdirektor von Como, betonte die Bedeutung internationaler Erfahrungen für junge Spieler, wobei er das Beispiel Fabregas als Vorbild nannte. „Wir investieren in Spieler aus dem Ausland, weil wir sie bereit für die Serie A halten. Italienische Talente fördern wir mit der gleichen Arbeitsweise.“

Die Diskussion machte deutlich, dass der italienische Fußball vor einer entscheidenden Weggabelung steht. Ob das Modell der zweiten Mannschaften tatsächlich der Schlüssel zur Rettung sein kann, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass ein Umdenken dringend erforderlich ist, um mit dem internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Die Zeit drängt, und die Zukunft des italienischen Fußballs steht auf dem Spiel.