Italienische schiedsrichter: mehr als nur ein pfiff – gehalt, intrigen und die schatten der bewertung
Rom – Die Welt des italienischen Fußballs ist bekannt für Leidenschaft, Dramatik und Kontroversen. Doch hinter den Kulissen der Serie A brodelt ein Konflikt, der so subtil wie brisant ist: die Bezahlung und Bewertung der Schiedsrichter. Ein Blick hinter die Pfeife offenbart ein System, das an die Schulnoten der eigenen Kindheit erinnert – mit ebenso unvorhersehbaren Konsequenzen.
Das system der noten: ein spiegelbild von freundschaft und rivalität
Wie in der Schule gibt es auch im Profifußball 'gute' und 'schlechte' Schüler. Lorenzo Cascini, ein Journalist, deckte in einer aktuellen Untersuchung auf, dass die Leistung der Schiedsrichter in der Serie A von sogenannten 'Beobachtern' der FIGC bewertet wird. Diese füllen eine Art 'Klassenarbeit' aus, in der jeder Einsatz mit einer Note zwischen 8,70 (exzellent) und 8,20 (ungenügend) versehen wird. Diese Bewertungen sind weitaus mehr als nur eine Formalität: Sie bestimmen maßgeblich, wer am nächsten Spieltag pfeift und wer auf der Bank sitzen muss. Ein schlechter Tag kann also existenzielle Folgen haben.
Die finanzielle Realität: Mehr als nur ein Nebenerwerb
Während die Top-Schiedsrichter in der Serie A jährlich rund 160.000 Euro brutto verdienen, ist das Bild für viele alles andere als rosig. Viele sind gezwungen, nebenbei zu arbeiten – von Feuerwehrmännern (wie Maresca) bis hin zu Elektrikern (Orsato). Ein Einsatz in der Serie A bringt 4.000 Euro, das VAR-Team erhält 1.700 Euro, die Assistenten 1.400 Euro. Die Diskrepanz zu anderen europäischen Ligen ist beachtlich. In Spanien bekommt ein Schiedsrichter etwa 4.830 Euro, in Deutschland sogar 5.800 Euro pro Partie. In Frankreich und England sind die Gehälter deutlich geringer.

Die dunklen seiten: vetternwirtschaft und 'gioca jouer'
Die Bewertungssystem birgt jedoch auch die Gefahr von Vetternwirtschaft und Manipulation. Es kursieren Gerüchte, dass der ehemalige Schiedsrichterchef Rocchi, durch seine Anweisungen im VAR, gezielt seine 'Freunde' bevorzugt haben soll, um ihnen bessere Noten und lukrative Einsätze zu sichern. Ein solches Verhalten, so die Vermutung, würde eine Form des Sportbetrugs darstellen. Ein Paradebeispiel: Der Schiedsrichter von Inter gegen Juventus, La Penna, durfte nach einem strittigen Platzverweis einen Monat lang nicht mehr in der Serie A pfeifen – eine deutliche Botschaft, dass Fehler in diesem Geschäft teuer zu bezahlen sind. Die Strafe belief sich auf mindestens 4.000 Euro.
Die Situation ist brisant, und die Staatsanwaltschaft prüft nun die Vorwürfe. Es bleibt abzuwarten, ob diese Enthüllungen zu einem Umdenken im italienischen Fußball kommen werden. Die Frage ist nicht, wie viel Geld Schiedsrichter verdienen, sondern ob die Integrität des Spiels dadurch gefährdet wird.
