Italia schockt europa: 68 % der italiener boykottieren bus & bahn

Rom – Ein Land auf dem Weg zum Stillstand. Fast jeder zweite Italiener steigt nie, nie wieder in Bus, Straßenbahn oder Metro. 68 Prozent, das belegt die neue Eurostat-Studie 2024, setzen sich lieber ins Auto – und verankern Italien auf dem vorletzten Platz im europäischen Nahverkehrsranking, nur Zypern schneidet schlechter ab.

Die rechnung zahlen wir alle

Die Folge: Stau, Smog, 34 Milliarden Euro Gesundheitskosten pro Jahr. Die italienische Umweltmedizin-Gesellschaft Sima beziffert den medizinischen Schaden, den verstopfte Lungen und pochende Herzen durch Feinstaub und Stickoxide verursachen, auf diese gigantische Summe. Wer in Rom lebt, verliert laut Inrix-Studie 2025 durchschnittlich 76 Stunden im Jahr im Stau – bei Tempo 20. Mailand folgt mit 67 Stunden. Beide Städte gehören damit zum Top-25-Trauma weltweit.

Die Krise ist kein Zufall. In vielen Regionen existiert schlicht kein Angebot – oder es gilt als unzuverlässig, schmutzig, unsicher. Agens-Präsident Gianpiero Strisciuglio schiebt den Ball zurück auf die Politik: „Die Betreiber können nicht allein die Qualität retten. Wir brauchen verlässliche Investitionen und eine Planung, die über die nächste Legislatur hinausreicht.“

Die Zahlen sind brisanter, als sie auf den ersten Blick wirken. Selbst unter wohlhabenden Italienern, die sich jede Mobilität leisten könnten, springt nur jeder Dritte auf öffentliche Verkehrsmittel um. Sicherheit und Sauberkeit sind Hauptbremsen: Viele europäische Umfragen zeigen, dass Frauen nachts lieber im eigenen Auto sitzen als in einer überfüllten U-Bahn, in der die Ventilation versagt.

Der sport zahlt den preis mit

Der sport zahlt den preis mit

Für uns Sportjournalisten ist das mehr als eine Verkehrsfrage. Läufe durch verpestete Innenstädte fallen aus, Radrennen werden wegen Luftalarms abgesagt, Vereine verlieren Mitglieder, weil Eltern ihre Kinder nicht in stickige Züge stecken wollen. Die sportliche Lebensquality – ein Kernversprechen der TSV Pelkum Sportwelt – droht, sich in Auspuffgas aufzulösen.

Ein kleiner Trost: Luxemburg, Estland und Schweden beweisen, dass es auch anders geht. Dort nutzt mehr als jeder Fünfte täglich Bus und Bahn. Die Lösung heißt: Taktdichte, Sauberkeit, digitale Anbindung – und politischer Mut, der über Wahlkampfhorizonte hinausreicht.

76 Stunden. 34 Milliarden. 68 Prozent. Drei Zahlen, die Italiens Mobilitäts-Drama auf den Punkt bringen. Solange sich daran nichts ändert, bleibt das Land im Abseits – und der wahre Gewinner heißt weiterhin: der Blechdinosaurier auf vier Rädern.