Italia gegen bosnien: kean und retegui sollen den azzurri retten

Zenica riecht nach Moder und nach Angst. In der bosnischen Provinz entscheidet sich heute, ob Italien zur dritten WM-Apokalypse in Folge schlittert oder ob die Squadra Azzurra endlich wieder nach vorne blickt. Gattuso setzt auf dieselbe Sturm-Doppelspitze wie gegen Nordirland: Moise Kean und Mateo Retegui sollen das Tor zum Turnier aufbrechen.

Dzeko zieht vor dem duell die daumenschrauben an

Edin Dzeko hat vor dem Match den Kampf eröffnet. „Wenn ihr Angst vor Wales habt, solltet ihr lieber gegen uns spielen“, spottete der Bosnier und legte den Finger in die italische Wunde. Seit 2018 hat die FIFA-Nummer 9 kein WM-Tor mehr geschossen, doch in Zenica ist er lebendige Legende. Jeder zweite Pass läuft über ihn, jeder Standard zielt auf seinen Kopf. Die italische Innenverteidigung um Bastoni und Mancini bekam beim 0:0 gegen Nordirland schon bei halblangen Bällen Zittern.

Die Statistik ist ein Spiegel, vor dem sich die Azzurri nicht verstecken können: vier Siege in den letzten 14 Pflichtspielen, nur ein Tor aus dem laufenden Spiel seit September. Gattuso hat deshalb auf Speed gesetzt. Kean soll die Tiefe suchen, Retegui die Ziehwirkung erzeugen. Dahinter schaltet sich Barella frei, Dimarco rückt auf die halboffene Position. Die Devise lautet: Erst aufräumen, dann aufdrehen.

Der schlamm von zenica ist kein vorwand

Der schlamm von zenica ist kein vorwand

Der Stadionrasen erinnert an einen Acker nach Winterweizen. Doch wer jetzt den Blick auf das Geläuf schiebt, verdrängt das echte Problem: Italien tritt als Top-10-Team an, spielt aber seit Monaten wie ein Außenseiter. Die letzten drei Auswärtsniederlagen gegen Nordirland, Argentinien und Deutschland waren keine Ausrutscher, sondern ein Muster. Zu viele Querpasses, zu wenig Durchschlagskraft, ein Mittelfeld, das sich selbst überrumpelt.

Bosnien wird nicht warten. Coach Ivaylo Petev hat die Sechserkette abgeschafft, dafür eine aggressive 4-4-2-Pressinglinie installiert. Dedic und Alajbegovic starten schon auf der eigenen Hälfte in den Sprint, Demirovic sticht nach jeder Ballverlust-Phase sofort ab. Die Italiener haben in den letzten fünf Spielen 38 Fouls kassiert, die meisten nach Ballverlust in der Vorwärtsbewegung. Genau dort will Bosnien zustoßen.

Die gute Nachricht: Gefoulte Spieler bringen Ruhe. Und es gibt Platz. Die Bosnier lagen gegen Wales bei nur 48 Prozent Ballbesitz, verteidigten aber mit offenen Flügeln. Wenn Barella und Politano sich früh einschalten, können sie die Außenverteidiger isolieren. Die schlechte Nachricht: Jeder Fehler wird hier buchstabiert mit „Aus“.

Die letzte chance vor dem absturz in die bedeutungslosigkeit

Die letzte chance vor dem absturz in die bedeutungslosigkeit

Ein Ausscheiden würde Italien nicht nur die WM kosten, sondern auch den Status. Kein Top-10-Team wäre zuhause, kein Potti-Seeded mehr bei der Auslosung, kein Selbstverständnis als Turniermannschaft. Die vier Sterne auf der Brust würden plötzlich nach altem Stoff klingen. Deshalb hat Gattuso die Kader-Härte erhöht. Wer nicht sprintet, fliegt. Wer zweimal ballkontrolliert, bekommt den Daumen nach unten. Die Trainingseinheiten sind auf 45 Minuten verkürzt, dafür mit Ball, mit Druck, mit Musik. Der Coach will Reflexe statt Rituale.

Die Uhr tickt. Seit 60 Jahren hat Italien nie drei große Turniere hintereinander verpasst. Die Serie soll nicht an einem kalten Abend im bosnischen Schlamm enden. Sonst bleibt nur die Erinnerung an bessere Zeen – und eine weitere Leere im Sommer 2026.