Islamfeindliche rufe in cornellá: spaniens sportministerin fordert konsequenzen
„Das darf nie wieder passieren.“ Mit diesen Worten ließ Spaniens Sportministerin Milagros Tolón am Freitag keinen Zweifel daran, dass die rassistischen Sprechchöre während des Länderspiels gegen Ägypten im RCDE Stadium nicht ohne Nachspiel bleiben werden.
Tolón hatte die Attacke live im Fernsehen verfolgt. Am Tag danach klingelte sie bei Rafael Louzán, dem Präsidenten der spanischen Fußballföderation RFEF. „Ich sagte ihm: Das ist ein Bild, das Spanien beschädigt. Wir müssen handeln“, berichtete die Ministerin vor Journalisten im Madrider Ministerium.
Der vorfall in cornellá
Am 31. März pfiff ein Teil der Zuschauer im Espanyol-Stadion die ägyptische Hymne aus, anschließend hallte das islamfeindliche „Musulmán el que no bote“ durch die Tribünen. Die FIFA leitete sofort ein Disziplinarverfahren ein; die RFEF kündigte an, ein vollständiges Dossier an Zürich zu übermitteln.
Lamine Yamal, 16-jähriger Flügelstürmer und bis dahin strahlender Held der Partie, verließ mit gesenktem Kopf den Rasen. Seine Miene war inzwischen zum Symbol verkommen: Jubel auf dem Platz, Hass auf den Rängen.

Protokoll aktiviert – aber was bedeutet das?
Spanien verfügt seit 2021 über ein Anti-Gewalt-Protokoll, das Stadionverbote, Geldstrafen und gemeinnützige Arbeit vorsieht. Doch die Praxis sieht anders aus: In den vergangenen drei Jahren wurden erst zwei Klubs wegen diskriminierender Rufe sanktioniert, beide aus der dritten Liga. Die höchste Geldstrafe: 4.000 Euro – ein Spottpreis.
Tolón kündigte nun an, das Protokoll „zu verschärfen“ und künftig „konsequent anzuwenden“. Details nannte sie nicht. Klar ist: Die FIFA kann das Spiel nachträglich für verloren erklären, das Stadion für internationale Partien sperren oder die RFEF mit einer sechsstelligen Geldstrafe belegen.
Die Uhr tickt. In 78 Tagen startet die spanische Nationalmannschaft in die EM. Das letzte Länderspiel vor Turnierbeginn findet – ironie des Schicksals – wieder in Barcelona statt. Die Kathedralen des Fußballs sind auch Arenen der Gesellschaft. Wenn sie sich nicht reinigen, fällt der Schatten auf das ganze Land.
