Irma testa: vom olympia-schock zum neuen feuer im ring
Torre Annunziata bebt – nicht vor Erdbeben, sondern vor der Rückkehr einer Kämpferin. Irma Testa, die „Butterfly“, ist zurück. Zehn Jahre nach ihrem ersten großen Flug, nach der Enttäuschung in Paris und einer Phase der Selbstfindung, schwingt die Polizistin und ehemalige Olympiahoffnung wieder die Fäuste. Doch diesmal geht es um mehr als nur um Medaillen – es geht um die Wiederentdeckung der eigenen Leidenschaft.
Die narbe von paris und der weg zurück
Paris 2024 sollte der Triumph werden, die Krönung einer Karriere, die mit der Olympiaqualifikation für Rio 2016 begann. Stattdessen endete der Traum abrupt, die Medaille blieb unerreichbar. Die Zweifel nagten, die Fragen häuften sich. War das alles? Doch Irma Testa ist keine Frau, die sich ihrem Schicksal ergibt. Sie fand einen neuen Weg – als Trainerin. „Es war wunderschön“, erzählt sie. „Sieben Monate lang habe ich junge Talente bei den Fiamme Oro in Rom unter meine Fittiche genommen. Das Pendeln zwischen Assisi und Rom hat mir geholfen, den Kopf frei zu bekommen.“
Doch das Feuer brannte weiter. „Ich hatte Angst vor dem 'Davor', aber jetzt habe ich keine Angst mehr“, gesteht sie. „Ich habe verstanden, dass das Trainieren wunderbar ist und dass ich das auch machen könnte, wenn ich einmal mit dem aktiven Sport aufhöre. Das Ruhen diente dazu, sich neu zu sammeln.“

Mehr als nur eine pionierin im frauensport
Irma Testa ist mehr als nur eine erfolgreiche Boxerin. Sie ist eine Pionierin, eine Kämpferin für die Anerkennung des Frauensports in Italien. „Es war eine Teamleistung“, betont sie. „Wir haben jahrelang dafür gekämpft, Sichtbarkeit zu erlangen. Wir haben uns gewehrt, als wir wenig Beachtung fanden.“ Die Entwicklung ist beeindruckend: „In Rio 2016 waren wir sechs Männer und ich. In Tokio 2021 waren es vier Frauen und keine Männer. In Paris 2024 waren es fünf Frauen und drei Männer. Das spricht für sich.“
Doch es gibt noch Luft nach oben. „Es gibt immer mehr Mädchen in der Turnhalle, aber es fehlen die Kleinen. Hier müssen wir ansetzen“, sagt Testa eindringlich. „Die Familien sind immer noch skeptisch.“

Die neue ära unter roberto cammarelle
Ein entscheidender Faktor für ihr Comeback ist die Zusammenarbeit mit Roberto Cammarelle, dem legendären Olympiasieger von Peking 2008. „Er ist wie ich, mehr als man denkt“, schwärmt Testa. „Ich bin immer ein bisschen eingeschüchtert von ihm, aber ich sehe in ihm alles, was ich eines Tages werden möchte.“
Die Regeln im Boxsport haben sich geändert, und Irma Testa passt sich an. „Mein Stil, das Zurückweichen, Ausweichen und Kontern, wurde nicht immer belohnt. Aber ich habe mich bereits an die neuen Regeln angepasst. Mein alter Trainer hatte alles vorausgesehen: weniger Abwehr, mehr Initiative.“
Mit einer neuen Entschlossenheit und der Unterstützung von Cammarelle steht Irma Testa vor ihrer nächsten Herausforderung: die World Boxing Cup Series in Guiyang, China, gefolgt von den Spielen des Mittelmeers in Taranto und den Europameisterschaften. Los Angeles 2028? „Auf jeden Fall. Wir hoffen es zumindest und geben unser Bestes.“
Zurück in Assisi, bei ihrer Partnerin Alessandra und ihren Hunden Dante und Tokyo (benannt nach ihrem Bronzemedaillenjahr 2021), findet Irma Testa den Frieden und die Balance, die sie braucht, um weiterhin ihre Träume zu verfolgen. Ein Neuanfang, der zeigt, dass selbst nach dem größten Schock das Feuer wieder entfacht werden kann.
