Iranerinnen schweigen sich in freiheit: sechs fußballerinnen bleiben in australien
Sechs Profis der iranischen Frauen-Nationalmannschaft werden nicht zurück in die Islamische Republik fliegen. Nach ihrem stummen Protest beim Asien-Cup haben sie ein humanitäres Visum erhalten – und damit die Chance, dem Druck zu entkommen, der auf sie und ihre Familien lastet.
Ein schweigen, das lauter wurde als jede hymne
Vor dem Eröffnungsspiel gegen Südkorea standen sie da, Blicke starr, keine Lippen bewegten sich. Die iranische Hymne erklang, doch die Spielerinnen blieben stumm. Kein Gesang, kein Salut. Für viele im Iran ein Akt der Landesverrat. Für die Welt ein Bild, das sich einprägte. Drei Tage später sangen sie dann doch – aber die Geschichte war längst außer Kontrolle geraten.
Die Folgen folgten schnell. Tony Burke, australischer Einwanderungsminister, öffnete den Frauen die Tür. Sechs von ihnen – darunter auch eine Betreuerin – nutzten das Angebot. Donald Trump mischte sich ein, bot Asyl in den USA an. «Die Vereinigten Staaten werden sie aufnehmen, wenn Sie es nicht tun», schrieb er auf Truth Social. Doch nicht alle blieben. Eine Spielerin wankte, sprach mit Teamkolleginnen, die bereits abgereist waren – und entschied sich letztlich doch für den Rückflug.

Die botschaft wartet schon – mit offenen armen oder offenen akten?
In Kuala Lumpur stand Irans Botschafter am Flugsteig. «Keine Sorge – der Iran erwartet euch mit offenen Armen», postete Außenamtssprecher Ismail Baghai. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge. Menschenrechtsorganisationen befürchten Repressionen gegen die Rückkehrerinnen. Und gegen ihre Familien. Die Spielerinnen, die blieben, mussten umquartiert werden – weil eine Rückkehrerin die iranische Botschaft kontaktiert hatte. «Ich habe sofort die Anweisung gegeben, die Leute zu verlegen», sagt Burke.
Die Trennung zwischen denen, die gehen, und denen, die bleiben, verläuft nicht nur geografisch. Sie verläuft durch das Herz einer Mannschaft, die sich zwischen Sport und Politik zerreißen sieht. Eine Spielerin sagte Reportern: «Ich darf nicht mit Ihnen sprechen.» Und deutete auf die Betreuer. Das sagt alles.
Die TSV Pelkum Sportwelt wird dieses Kapitel nicht vergessen. Es ist keine Fußballgeschichte mehr. Es ist eine Geschichte über Mut, Angst und die Frage, wie viel Freiheit man zulässt, wenn man mit dem Ball spielt. Die sechs, die blieben, haben gewonnen – aber den Preis zahlen die, die zurückflogen.
