Iran hofft auf wm-wunder: fairplay-appell und bittere beschwerden
Tijuana – Ein Appell, ein Hilferuf und ein Hauch von Hoffnung: Die iranische Fußballnationalmannschaft hat nach dem 1:1 gegen Ägypten mit einer ungewöhnlichen Botschaft für Aufsehen gesorgt. Während die Chance auf ein historisches Weiterkommen bei der WM in Nordamerika schwindet, fordert das „Team Melli“ Fairplay und hofft auf Schützenhilfe von anderen Mannschaften – eine Strategie, die ebenso verzweifelt wie charmant wirkt.
Die botschaft an die fußballwelt: respekt zählt mehr als punkte
In der Kabine hinterließ das iranische Team eine handgeschriebene Tafel, auf der stand: „Fairplay ist nicht nur ein Grundsatz in den Fußballregeln, es ist die Seele des Spiels.“ Dazu listete man alle potenziellen Wegbereiter für das K.o.-Runden-Ticket auf: Österreich, Algerien, Usbekistan und Kroatien. Der dreimalige Asienmeister verdeutlichte, dass Punkte zwar auf verschiedenen Wegen gewonnen werden können, Respekt aber unverzichtbar sei. Die aktuelle Situation ist delikat: Iran steht mit drei Punkten als sechstbester Gruppendritter im Rennen, könnte aber bei Ausbleiben der gewünschten Ergebnisse den Anschluss verlieren.
Besonders das Duell Österreich gegen Algerien am frühen Montagmorgen (4:00 Uhr MEZ) wird von den Iranern genau beobachtet. Bei einem Unentschieden würden beide Teams weiterkommen – ein Szenario, das Teheran sehr gelegen wäre. „Der Einzug ins Sechzehntelfinale würde uns alles bedeuten“, erklärte Stürmer Ramin Rezaeian, der sein Team mit dem späten Ausgleichstreffer gegen Ägypten auf Kurs hielt. Es wäre die erste K.o.-Runde für Iran bei einer Weltmeisterschaft.

Ghalenoeis wut: „das unterdrückste team der wm“
Doch der Traum vom historischen Erfolg wird von erheblichen Problemen überschattet. Trainer Amir Ghalenoei platzte nach dem Spiel die Hutschnur. „Sie haben uns schrecklich behandelt“, wetterte er auf der Pressekonferenz. „Wir hätten schon viel früher einreisen müssen, aber das haben sie verhindert. Nach dem Spiel müssen wir schnell wieder zurück in unser Hotel in Tijuana, das sind drei Stunden Flug. Die Zeit verlieren wir für die Regeneration. Wir sind das unterdrückste Team der ganzen WM.“ Die beschwerlichen Reisebedingungen und die späte Anreise haben offenbar tiefe Spuren hinterlassen und die Vorbereitung auf die Spiele erheblich erschwert. Die Organisation des Turniers steht damit in der Kritik.
Die Situation ist ironisch: Während die Iraner auf Fairplay und die Hilfe anderer hoffen, kämpfen sie gleichzeitig mit den Folgen von Umständen, die ihnen das Weiterkommen erschweren. Ob der Appell an die Fairness der anderen Teams Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch klar: Die iranische Nationalmannschaft hat mit ihrer Ehrlichkeit und ihrem Kampfgeist die Herzen vieler Fußballfans erobert – unabhängig vom sportlichen Erfolg.
