Iran droht mit wm-boykott – usa sollen spielerinnen „entführt“ haben

Die Klappe ging runter, die Worte rauf. Mehdi Taj, Präsident des iranischen Fußballverbandes, warf den USA live im Staatsfernsehen „Entführung“ vor – und zog die Teilnahme der Männer-Nationalmannschaft an der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko in den Dreck. „Wer bei klarem Verstand schickt sein Team an einen Ort, wo Staatsgegner als Geisel gehalten werden?“, giftelte er und meinte damit fünf Spielerinnen, die nach der Asien-Meisterschaft in Australien um Asyl baten.

Los angeles und seattle als schauplätze des streits

Ironie der Geschichte: Genau dort, wo Irans Männer im Sommer 2026 ihre Vorrundenspiele bestreiten sollen – zwei Partien in Los Angeles, eines in Seattle –, wittern Tajs Berater jetzt „feindliche Absichten“. Der Verbandschef behauptet, australische Polizisten hätten „eine oder zwei“ Kickerinnen aus dem Teamhotel geholt, nachdem sie sich weigerten, die Nationalhymne mitzusingen. Stattdessen seien sie „entführt“ und in die USA geschleust worden.

Taj liefert keine Beweise, nur einen Schuldigen: Donald Trump. Der Ex-Präsident habe Canberra unter Druck gesetzt, den Spielerinnen Asyl zu gewähren, sonst übernehme Washington sie. Die Folge: Die Frauen seien nun „Verräterinnen in Kriegszeiten“, titelte das iranische Staatsfernsehen, und die restliche Mannschaft habe in den folgenden Spielen brav salutiert und gesungen – ein Image-Flick, der nichts ändert.

Asyl statt heimflug – die zahlen sprechen für sich

Asyl statt heimflug – die zahlen sprechen für sich

Mindestens fünf Fußballerinnen, darunter Kapitänin Zahra Ghanbari, stellten l offiziellen Angaben der australischen Regierung Asylanträge. Seit dem Vorrundenaus sind sie abgetaucht. In Teheran kursieren Bilder, auf denen ihre Gesichter mit roten Kreuzen durchgestrichen sind. Der Verband droht lebenslänglichen Sperren, die Familien erhalten Morddrohungen. Die Botschaft: Wer sich weigert, Staatspropaganda mitzuträllern, fliegt aus dem Kader – und aus dem Land.

Für die Männer, die in 18 Monaten auf die große Bühne sollen, wird der Streit zur Zitterpartie. FIFA-Statuten kennen kein politisches Feigenblatt; Boykotte führen zu astronomischen Strafen und Ausschlüssen. Doch Taj spielt ein anderes Spiel: Er nutzt den Frauen-Skandal, um innenpolitisch Punkte zu sammeln und die eigene Basis anzuheizen. Die Drohung, die WM auszulassen, ist kein Bluff – sie ist Teil eines Machtpokers, bei dem die Spieler*innen die Geiseln sind.

Die Uhr tickt. In zwei Monaten müssen die Qualifikationspläne stehen, die Trainingslager gebucht, die Visa beantragt werden. Solange Teheran die USA als „entführerischen“ Veranstalter brandmarkt, bleibt das Kaderbuch leer. Und die Spieler? Sie schielen auf ihre Klubgehälter, auf mögliche Karriereenden, falls der Boykott Realität wird. Entscheidend wird sein, ob der neue US-Präsident die Eskalation verlangt oder ob hinter den Kulissen ein Gesichtsparer vermittelt.

Fest steht: Ein Boykott würde nicht nur die Gruppen-Auslosung sprengen, sondern auch Irans internationale Isolation weiter zementieren. Die FIFA wird schweigen, so lange die Drohung in der Rhetorik bleibt. Doch wenn am 1. Juli die Meldelisten fällig sind und Irans Formular fehlt, wird der Weltverband handeln müssen. Dann bleibt Teheran die Wahl: Kniefall vor dem „Großen Satan“ – oder endgültiger Selbstausschluss. Beides kostet Geld, Gesicht und vor allem: Zeit, die die Spieler nicht haben.