Iran droht mit wm-ausschluss – usa-turnier wird zur politischen schachpartie

Der Iran steht vor dem Aus. Nicht wegen des Spiels, sondern wegen des Kriegs. Verbandspräsident Mehdi Taj wirft den USA und Israel vor, seine Fußballer zu Gefangenen eines geopolitischen Konflikts zu machen – und signalisiert, dass die Qualifikation für die WM 2026 wertlos sein könnte, wenn die Sicherheit nicht garantiert ist.

Die Zahlen sind eindeutig: Iran ist sportlich dabei, Gruppe G, drei Spiele in Kalifornien und Washington. Doch die Karten werden neu gemischt, seit US-Präsident Trump Angriffe auf iranische Einrichtungen angeordnet hat und Israels Militär sich in den Konflikt einschaltet. Tajs Reaktion im Staatsfernsehen war nicht länger diplomatisch, sondern klang wie ein Rückzieher: „Wer bei klarem Verstand schickt seine Mannschaft an diesen Ort?“

Frauen-nationalteam wurde zur geisel der propaganda

Frauen-nationalteam wurde zur geisel der propaganda

Was sich wie ein abstraktes Szenario liest, bekam vor wenigen Tagen ein Gesicht. Bei der Asienmeisterschaft der Frauen in Australien verweigerten einige iranische Spielerinnen den Gesang der Hymne. Die Bilder gingen um die Welt – und in Teheran durch die Decke. Staatsnahe Sender brandmarkten die Spielerinnen als „Verräterinnen in Kriegszeiten“. Die Folge: fünf von ihnen nahmen das Angebot Australiens an, erhielten humanitäre Visa und verschwanden im Zeugenschutz-Programm. Inzwischen sind es sieben. Australiens Innenminister Tony Burke unterschrieb die Papiere persönlich, nachdem Trump bei Premierminister Albanese telefonisch interveniert hatte.

Taj dreht den Spieß um: Australien halte die Frauen als „Geiseln“, Washington habe Canberra erpresst. Die Version klingt in Teheran glaubwürdiger als die westliche Darstellung – und macht die WM-Teilnahme für Männer und Frauen gleichermaßen zum Spielball von Macht und Medien.

Die FIFA schweigt bislang. Kein Statement, keine Sonderregel, keine Ausweichtermine. Der Weltverband hat Erfahrung mit politischen Boykotten – Russland 2018 blieb trotz Sanktionen, Katar 2022 trotz Menschenrechtsdebatte. Doch diesmal ist der Gastgeber selbst Partei im Konflikt. Sollte der Iran die Reise absagen, wäre der logische Nachrücker der nächstplatzierte Asiate im Ranking: Jordanien. Die FIFA müsste binnen Tagen umlenken, Karten umschreiben, TV-Rechte neu verhandeln. Milliardenwerte.

Für die Fans in Los Angeles und Seattle bleibt vorerst nur die Ungewissheit. Ticketverkäufe laufen, Fan-Feste werden geplant, doch das offizielle Matchplan-PDF enthält einen Sternchenhinweis: „Spielorte vorbehaltlich politischer Entwicklungen.“ Kein kleingedruckter Satz war je so laut.

Die Uhr tickt. Die WM 2026 beginnt in 17 Monaten. Der Iran muss sich entscheiden: mitreisen oder mitsingen – auf der Tribune der Diplomatie. Die FIFA wird nicht warten. Und die Spieler? Sie haben gelernt, dass Hymnen mehr sind als Melodien. Sie sind Marken, Waffen, manchmal auch Fluchtwege.

Ende offen. Aber eines steht fest: Wer auch immer im Juni 2026 in Pasadena aufläuft, wird nicht nur gegen Belgien oder Neuseeland spielen. Er tritt an gegen die Frage, ob Sport und Politik je trennbar waren. Die Antwort liegt nicht im Regelwerk, sondern in den Köpfen jener, die den Ball und die Bombe im Blick haben.