Inter-skandal: ermittlungen scheitern – geht die affäre im sand aus?

Rom, Milano – Nach monatelangen Ermittlungen, abgehörten Gesprächen und einer Flut an Anschuldigungen scheint sich der Schatten des Skandals um den FC Internazionale Milano langsam zu lichten. Die Staatsanwaltschaft steht kurz vor der Entscheidung, die Ermittlungen zu den Vorwürfen des Manipulierens von Schiedsrichterentscheidungen einzustellen – ein Szenario, das viele überraschen dürfte.

Ein aus für die ermittlungen?

Ein aus für die ermittlungen?

Laut Informationen aus gut unterrichteten Kreisen, die der Gazzetta dello Sport vorliegen, gibt es keine verwertbaren Beweise für eine systematische Einflussnahme auf Schiedsrichterentscheidungen zugunsten der Nerazzurri. Ex-Schiedsrichterkoordinator Gianluca Rocchi, der im Zentrum der Ermittlungen stand, und weitere Funktionäre des Vereins können sich demnach von jeglichen Vorwürfen entlasten lassen.

Die ursprünglichen Ermittlungen, die im April ausgelöst wurden, basierten auf abgehörten Gesprächen zwischen Rocchi und Vertretern des Vereins. Es ging um vermeintliche Präferenzen bei der Vergabe von Schiedsrichtern für bestimmte Spiele, insbesondere für die Begegnungen gegen Bologna (20. April 2025), das Mailänder Derby im Coppa Italia (23. April) und Udinese-Parma, bei dem Rocchi angeblich die VAR-Zentrale aufsuchte, um Entscheidungen zu korrigieren. Diese Vorwürfe führten zu Rocchis vorübergehender Aussetzung, ebenso wie zu Untersuchungen gegen weitere Schiedsrichterbosse wie Gervasoni und Nasca.

Doch die Beweislast konnte nicht erfüllt werden. Die Ermittler konnten keinen direkten Zusammenhang zwischen den Gesprächen und konkreten Schiedsrichterentscheidungen nachweisen, die zu Gunsten der Inter manipuliert wurden. Auch Giorgio Schenone, der Club Referee Manager der Nerazzurri, wurde vernommen, jedoch ohne dass belastende Informationen ans Licht kamen. Sein Mandat, die Kommunikation zwischen Verein und Schiedsrichterwesen zu erleichtern, wird nicht als Vergehen gewertet.

Ein interessanter Punkt ist der Vorfall im April 2025, bei dem Rocchi angeblich bereit war, die Vergabe von Andrea Colombo, einem Schiedsrichter, der von Inter bevorzugt wurde, für ein Spiel in Bologna zu arrangieren. Gleichzeitig sollte die Vergabe an Daniele Doveri, einen Schiedsrichter, der dem Verein weniger genehm war, vermieden werden. Auch diese Behauptungen konnten jedoch nicht bewiesen werden.

Die Frage, ob es sich tatsächlich um “nur viel Lärm um nichts” handelt, wird in den kommenden Tagen beantwortet werden, wenn die Staatsanwaltschaft ihre endgültige Entscheidung bekannt gibt. Sollte die Einstellung der Ermittlungen erfolgen, wäre dies ein deutlicher Schlag für die italienische Fußballöffentlichkeit und eine Erleichterung für den FC Internazionale Milano.

Die Affäre hat jedoch bereits tiefe Risse in der Glaubwürdigkeit des italienischen Fußballs hinterlassen und die Notwendigkeit einer umfassenden Reform des Schiedsrichterwesens deutlich gemacht. Die Faszination des Sports ist gefährdet, wenn das Vertrauen in die Integrität der Spiele zu stark erschüttert wird.