Inter nach derby-desaster: chivus mannschaft muss gegen atalanta liefern – sonst wird die meisterschaft zur katastrophe
7 Punkte Vorsprung, 7 Siege in Serie gegen Atalanta – und trotzdem ist die Luft für Inter dünn. Nach dem K.o. im Derby und dem Champions-Aus gegen Bodo/Glimt reicht Samstag (15 Uhr, San Siro) nur ein Sieg gegen Palladino, um den Anschluss an die Spitze der Tabelle nicht zu verlieren. Der Druck sitzt tief im Nacken der Nerazzurri.
Lautaro fällt aus, esposito muss liefern
Ohne Lautaro Martínez, der sich im Training die Sprunggelenksbande riss, rückt Pio Esposito in die Startelf. Der 20-Jährige traf in der Primavera 14-mal in 19 Spielen – in Serie A wartet er auf seinen ersten Treffer. Chivu setzt auf Jugend, weil er keine andere Wahl hat. Die Frage lautet: Hält Esposito den Kopf oben, wenn Atalanta mit Scamacca und Lookman früh drückt?
Die Statistik beruhigt: Inter schoss in den letzten sieben Duellen mit Atalanta 17 Tore und kassierte nur drei. Doch die Zahlen sind Schnee von gestern, wenn Calhanoglu und Mkhitaryan ihre Form von Anfang März nicht wiederfinden. Beide lieferten gegen Milan nur 41% gewonnene Zweikämpfe ab – ein Wert, der gegen die aggressive Presse von Ederson und De Roon beinahe ein Luxusproblem wird.

Atalanta nach bayern-klatsche wutbereit
Die Bergamaschi reisen mit offener Wunde an: 1:6 in München bedeutete das vorzeitige Champions-League-Aus. Trainer Giuseppe Palladino ließ die Mannschaft am Tag nach der Pleite zweimal trainieren – keine Routine, sondern Schinderei. „Wir haben eine Rechnung offen“, sagte er im Medientermin und spielte damit auf die 0:2-Pleite vom letzten Januar im Coppa Italia an. Seit dem 23. März 2014 gewann Atalanta kein Pflichtspiel mehr in der Scala. Die Serie droht zu lang werden.
Dabei steht für Atalanta mehr auf dem Spiel als drei Punkte. Bei einer Niederlage rutscht die Mannschaft auf Platz acht ab – und verliert damit die Kontrolle über die Europa-League-Quali. Die 65%-Quote für „Over 2,5 Tore“ bei Bet365 spiegelt die Offensiv-Notlage beider Teams wider: Wer zuerst trifft, darf hoffen, wer zurückliegt, muss riskieren.
Die Wetterlage liefert ein zusätzliches Szenario: Starkregen wird für Samstag angesagt, der Rasen in San Siro ist ohnehin nach den Konzerten im Februar ramponiert. Schnelles Kombinationsspiel wird zur Lotterie, Standards zur Waffe. Calhanoglu hat in dieser Saison bereits fünf direkte Freistoßtore erzielt – Atalanta kassierte aus solchen Situationen vier Treffer, mehr als jede andere Serie-A-Mannschaft.

Die wette auf den riss im system
Die Buchmacher sehen Inter bei 1,45 – ein Kurs, der die aktuelle Form verharmlost. Wer auf Over 9,5 Eckbälge setzt, bekommt bei Snai 1,83, ein Wert, der das offensiv-lastige Spiel beider Mannschaften honoriert. Inter schlägt im Schnitt 6,2 Ecken pro Heimspiel, Atalante 5,4 auswärts. Die Addition ergibt fast zwölf – genug Luft nach oben, wenn früh gepresst wird.
Am Ende zählt aber nicht die Quote, sondern die Einstellung. Chivu war nach dem Derby so wütend, dass er die Kabine für 20 Minuten dichtmachte und keinen Spieler vor die Presse ließ. Gegen Atalanta droht ihm die zweite Krisen-Woche in Folge – und dann winkt keine Pause, sondern das Gastspiel in Bologna, wo Inter zuletzt dreimal nicht gewann. Die Meisterschaft ist noch nicht verloren, aber sie rutscht bei einem erneuten Patzer aus den eigenen Händen.
Atalanta wird kommen, um zu beweisen, dass die Bayern-Pleise ein Ausrutscher war. Inter muss antworten, sonst schmilft der Vorsprung auf Milan bis auf vier Punkte. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.
