Ineos zwingt ayuso in gelb – zwei sekunden entscheiden paris-nizza-krimi

26:40 Minuten – nichts mehr. Ineos Grenadiers jagte mit offenem Visier durch die Weinberge der Loire und schob Juan Ayuso ins Gelbe Trikot, obwohl der Spanier selbst nicht fuhr. Der Grund: Lidl-Trek verpasste den Sieg um zwei Herzschläge, muss nun hinter dem Briten-Block hinterherjagen.

Der tag, an dem die uhr über sieg und kleidung entschied

23,5 flache Kilometer zwischen Cosne-Cours-sur-Loire und Pouilly-sur-Loire klingen nach Ruhetag. Stattdessen lieferten sich sechs WorldTour-Teams eine Highspeed-Schachpartie auf Zeit. Kevin Vauquelin schickte seine sieben Ineos-Kollegen in perfekte Reihe über die Straße, nutzte Windhosen und riss die letzte Rechtskurve mit 57 km/h. Hinter ihm rang Decathlon-Equipe um elf Sekunden, Visma-Lease a Bike um 15, Red Bull-Bora-hansgrohe um 20.

Lamperti dagegen verlor 23 Sekunden und damit die Führung. Der US-Amerikaner schob sich nach Zielankunft die Kapuze über den Helm, während Ayuso – noch im Zeitfahranzug – mit zwei Händen auf dem Lenker jubelte. „Habe heute Morgen Ackerbau betrieben, jetzt ernte ich Gelb“, lachte er und spielte auf eine Trainingsfahrt über Feldwege an. Die Ironie: Er profitiert von einer Niederlage seines Teams.

Die macht der nanosekunden

Die macht der nanosekunden

Zwei Sekunden entsprechen auf 23,5 km 0,08 km/h Durchschnitt. Das ist weniger als ein Halbdutzend Pedalumdrehungen, ein verregneter Reifen, ein zu spät geschlossener Reißverschluss. Sportdirektor Kim Andersen schüttelte die Schultern: „Wir haben an der ersten Zwischenzeit noch geführt, dann hat die Straße ein winziges Schlagloch – und die Jungs mussten aus dem Rhythmus.“ Die Datenanalyse wird Nächte dauern, der Schmerz sitzt sofort.

Für Ineos ist es der erste Mannschaftszeitfahr-Sieg in dieser Saison und ein Seufzer der Erleichterung nach einer Winterpause voller personeller Umbauter. Für Ayuso der zweite Gelb-Anzug in seiner Karriere – und eine Vorschau auf die kommenden Bergetappen, wo er sich gegen Vingegaard, Roglic und möglicherweise seinen eigenen Kapitän defendieren muss.

Die 106. Paris-Nizza ist damit voll entbrannt. Wer im Frühjahr die Uhr beherrscht, beherrscht oft auch die Berge. Ayuso trägt Gelb, aber die Uhr tickt weiter – und sie tickt laut.