Ineos schlägt lidl-trek mit zwei sekunden – ayuso schaltet in gelb
Die Uhren tickten noch nach, da schoss Oscar Onley bereits mit gezücktem Arm durch den Regenbogen. 23,5 flache Kilometer zwischen Loire und Weinbergen – und Ineos Grenadiers fertigte das deutsche Team Lidl-Trek mit exakt zwei Sekunden ab. Kleine Differenz, große Wirkung: Juan Ayuso rast als Erster über die Linie, zieht das Gelbe Trikot an und schickt seine deutschen Helfer in die Defensive.
Die taktik, die sich auszahlt
Ayuso wartete. Statt wie üblich vor der letzten Kehre abzufeuern, ließ er Lennard Kämna und Co. ziehen, schaltete selbst 300 Meter vor dem Ziel einen Gang höher und segelte mit zwei Radlängen Vorsprung durch den Zeitmessstrahl. Die Lidl-Taktik – letzter Mann zieht durch – funktionierte so gut, dass die Spanier die Etappenwertung gewannen und der 22-jährige Ayuso die Gesamtführung übernahm. Die Ineos-Jungs Kevin Vauquelin (+2 Sekunden) und Onley (+3 Sekunden) folgen dichtauf. Die Botschaft: Wer in der Rhône-Ebene schon zuckt, verliert am Ende.
Platz drei sicherte sich Decathlon-AG2R, Jumbo-Visma mit Jonas Vingegaard wurde Vierter (+17 Sekunden). Red Bull-Bora-hansgrohe landete als zweites deutsches Team auf Platz fünf, das UAE-Emirates-XRG-Ensemble um Nils Politt nur auf Rang sechs – ein Warnschuss für die anstehende Tour, wo das Teamzeitfahren erneut über Gelb entscheidet.

Die nächste hürde wartet mit 2500 höhenmetern
Mittwoch führt die Karawane 195 Kilometer nach Uchon – mit 2500 Höhenmetern die bisher härteste Etappe. Der Schlussanstieg misst nur 4,5 Kilometer bei 4,5 Prozent Steigung, doch wer hier die Beine schont, verliert im Finale von Nizza am Sonntag womöglich Sekundenbundel. Ayuso weiß das, Vingegaard auch. Die beiden Sekunden Vorsprung von heute können morgen schon wieder Makulatur sein. Die Frage lautet nicht mehr, ob jemand angreift – sondern wie lange er durchbrennt.
