Indian wells: italiens tennishelden kämpfen bis tief in die nacht
Es ist kurz nach halb neun Uhr abends in Mailand, und die Nachrichten aus der Wüste Kaliforniens sind gemischt. Fabio Cobolli verliert seinen zweiten Aufschlag und liegt plötzlich mit 3:5gegen Miomir Kecmanovic hinten – der Serbe serviert bereits für den ersten Satz. Gleichzeitig kämpft Matteo Berrettini gegen eine Wand namens Alexander Zverev, und die Wand drückt gerade mit einem Break zum 4:2. Indian Wells, das erste Masters-1000-Turnier der Saison, zeigt den Italienern heute Abend die harte Seite des Tennislebens.
Berrettini gegen zverev: ein kampf auf augenhöhe, der kippt
Die ersten fünf Spiele zwischen Berrettini und Zverev liefen über die Aufschläge – kein Break, kein Durchatmen, reines Powertennis. Dann kam das sechste Spiel. Zverev brach beim Stand von 30 den Aufschlag des Römers und übernahm die Kontrolle: 4:2. Beim Seitenwechsel muss Berrettini nun servieren, um im Match zu bleiben. Ein vertrautes Bild für Matteo, der in seiner Karriere schon aus tieferen Löchern herausgekrabbelt ist – aber gegen den Weltranglistenvierten ist jeder Fehler teuer.
Cobolli bricht ein, nachdem er selbst gebrochen hatte
Dabei fing es für Cobolli so vielversprechend an. Die Nummer 15 des Turniers brach Kecmanovic früh zum 2:1 – ein sauberes Break zu 15, alles schien auf Kurs. Dann kam der Konter. Kecmanovic antwortete sofort, Cobolli verlor seinen Aufschlag ebenfalls zu 15: 2:2. Von dort drehte der Serbe das Spiel, und jetzt serviert er für den Satz. Ein klassischer Cobolli-Moment: aufblitzen, kurz zögern, und schon ist die Gelegenheit weg.
Musetti kehrt zurück – und alle schauen hin
Gegen 22 Uhr betritt Lorenzo Musetti den Court gegen den Ungarn Marton Fucsovics. Was nach einem harmlosen Erstrunden-Los klingt, ist in Wirklichkeit ein emotionaler Moment. Der Toskaner hatte bei den Australian Open gegen Novak Djokovic dominiert – wirklich dominiert – bevor ihn eine Verletzung zum Aufgabe im Viertelfinale zwang. Indian Wells ist seine Rückkehr. Er teilt sich im Tableau die Seite mit Cobolli, Berrettini und Bellucci: ein halbes Turnier voller Azzurri.
Sinner schläft, wenn andere schlafen – und spielt um 3 uhr nachts
Und dann ist da noch Jannik Sinner. Der Weltranglistenerste trifft auf den Tschechen Dalibor Svrcina – aber nicht etwa am frühen Abend. Anpfiff ist um 3 Uhr nachts europäischer Zeit. Für die Fans in Italien bedeutet das: Wecker stellen oder am nächsten Morgen das Ergebnis googeln. Sinner selbst wird das herzlich egal sein. Im Viertelfinale könnte ihm theoretisch Ben Shelton warten – oder eine Revanche gegen Jakub Mensik. Aber das ist Zukunftsmusik. Erst muss Svrcina aus dem Weg.
Was auf dem spiel steht: 1000 punkte und über eine million dollar
Indian Wells ist kein gewöhnliches Turnier. Als erstes Masters 1000 der Saison vergibt es 1.000 ATP-Punkte für den Sieger – und einen Scheck über 1.151.380 Dollar. Wer ins Finale kommt, kassiert noch 650 Punkte, wer im Halbfinale scheitert, nimmt 400 mit nach Hause. Die Rechnung ist einfach: Jede Runde zählt, jeder Aufschlag zählt, jedes Break zählt. Cobolli und Berrettini spüren das gerade sehr direkt.
In Deutschland überträgt kein Free-TV-Sender das Turnier live; in Italien hat Sky die exklusiven Rechte für ATP und WTA, während Supertennis das Damenturnier im Free-TV zeigt. Die Nacht ist lang, der Kaffee sollte stark sein – Sinner kommt erst, wenn andere schon schlafen.
