Import-armada überrennt schweizer scorer-könige
Markus Granlund schraubt sich mit vier Punkten gegen Kloten an die Tabellenspitze – und liefert den nächsten Beweis für ein Dauerthema, das die National League seit Jahren quält: Einheimische Torjäger sind zur Rarität geworden.

Nur ein schweizer in den top ten
Theo Rochette (Platz 8) steht einsam zwischen Kanadiern, Finnen und US-Boys. Die letzte nationale Crowning-Moment? Pius Suter 2020. Seither herrschen Importe, einheimische Stars sind Mangelware. Die Liga jubelt über Spannung, doch die Scorerliste erzählt eine andere Geschichte: 23 Jahre, zwei Schweizer – mehr Statistik braucht es nicht.
Was bedeutet das für den Nachwuchs? Klubs setzen auf erprobte Importkräfte, weil sie sofort Punkte liefern. Die Konsequenz: Spielzeit für Eigengewächse wird knapp, Entwicklung verzögert sich, das Publikum identifiziert sich weniger mit «seinen» Jungs. Sponsoren buchen lieber das sichere Auslandstalent, statt auf den 19-jährigen Stürmer aus der Region zu warten.
Die NL-Marketingabteilung trommelt mit Ambassadors wie Nico Hischier oder Timo Meier für die NHL, doch im eigenen Stadion fehlt das Gesicht aus dem Nachbardorf. TV-Quoten steigen, weil das Niveau stimmt – die emotionale Verbindung aber bleibt auf der Strecke. Wenn am Saisonende wieder ein Finn die Trophäe schwingt, während der Schweizer Mittelstürmer auf Tribüne und Bank pendelt, fragen sich Eltern, ob sich der Junioren-Beitritt überhaupt lohnt.
Die Lösung liegt nicht im Import-Stopp – der würde die Qualität sinken lassen. Gefragt sind klare Förderquoten, mutige Trainer und ein Umdenken in den Köpfen: Punkte zählen, aber auch Identität. Ohneheimliche Helden bleibt die National League ein durchaus unterhaltsamer, aber letztlich austauschbarer Auswahl-Katalog. Die Zahl, die zählt: 2 Schweizer Topscorer in 23 Jahren – ein Debakel, das nicht mit «Zyklus» verharmlost werden darf.
