Hoeneß zündelt wieder: bayerns sekte der unfehlbaren ist zurück
Uli Hoeneß schläft nie. Er schweigt nur. Nach dem 1:1 in Leverkusen schob er sich vor die Mikros, schob Christian Dingert und seine Assistenten in dieselbe Schublade, in der schon Hartmut Strampe liegt: Verräter an der bayerischen Mission. „Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je erlebt habe“, brüllte er in die Kameras. Dabei war es nicht das erste Mal, dass er so etwas sagte. Es war nur das neueste Mal.
Der 7. april 2001 ist kein datum, sondern eine wunde
Strampe stand damals im Westfalenstadion, 14 Karten in der Tasche, 11 davon gegen die Bayern. Lizarazu flog nach 35 Minuten, Effenberg folgte später. 1:1, aber das Ergebnis war nur die Schale um einen Kern aus Wut. Hoeneß stürmte in die Kabine, forderte den Unterschriftenblock, verlangte Gerechtigkeit – und bekam sie nicht. Effenberg musste zwei Spiele pausieren, Evanilson drei. Der Referee durfte weitermachen, nur nie wieder in München.
Die Parallelen sind kein Zufall. Sie sind ein Programm. Jedes Mal, wenn die eigenen Fehler zu groß werden, sucht der Klub einen Sündenbock. Ein Schiri passt immer. Die Methode: laut, persönlich, öffentlich. Das Ziel: den Blick von der eigenen Schwäche ablenken. Leverkusen war kein Einzelfall, sondern eine Neuauflage. Drei Rote, ein Punkt, viel Geheule.

Die sekte der unfehlbaren
Hoeneß, Hainer, Dreesen – das gleiche Trio wie damals, nur mit graueren Haaren. Sie sprechen von „Respektlosigkeit“, meinen aber: Wir dürfen nicht verlieren. Wer diese Haltung hinterfragt, wird als Feind marktiert. Doch die Zahlen lügen nicht: Bayern kassierte in dieser Saison bereits sechs Gelb-Rote, mehr als jeder andere Klub. Die Schuld liegt nicht im Parkstadion, sondern im eigenen Strafraum.
Effenberg sagte am Sonntag im Doppelpass, das Spiel 2001 sei „die schlechteste Schiedsrichter-Leistung der Geschichte“ gewesen. Er vergaß, dass er selbst mit dem Ellenbogen zugestochen hatte. Vergessen ist auch, dass Hoeneß Otto Addo damals „in den Zirkus“ schickte. Vergessen ist vor allem, dass Bayern trotz aller Dramen 2001 Meister wurde. Die Liga bückt sich jedes Mal, wenn der Rekordmeister droht, seine Spielzeiten zu verlieren.

Der preis der angst
Der DFB schützt seine Schiedsrichter, aber er schützt sich vor allem selbst. EineSuspendierung Hoeneß’? Fehlanzeige. Ein Runder Tisch? Nie stattgefunden. Stattdessen wird Dingert intern gelobt, extern gescholten. Die Botschaft: Wir sind die Macht, wir sind das Opfer. Die Folge: Junge Unparteiische kündigen, weil sie Angst haben, altgediente wie Felix Brych weichen ins Ausland. Wer will schon zum nächsten Bayern-Spiel?
Die Wahrheit ist simpel: Wer nach jedem Patzer den Referee zerfleischt, der züchtet sich eine Generation von Spielern, die nie Verantwortung übernehmen muss. Ein Klub, der sich selbst zur Religion erhebt, endet im Dogma. Und Dogmen sterben laut.
Am Samstag kommt der BVB. Wieder Dortmund, wieder Schiri-Angst. Wieder wird Hoeneß am Mikro stehen, falls etwas schief läuft. Die Geschichte wiederholt sich nicht – sie wartet nur auf den nächsten Auftritt.
