Hoeneß zerstört frankfurts transfer-lehre: „beim verkauf verliert man substanz“

Uli Hoeneß lässt die Klinke in Frankfurt nicht nur knacken – er tritt sie ein. Bei der Ernennung seines alten Weggefährten Wolfgang Steubing zum Ehrensenator der Frankfurt School packt der Bayern-Ehrenpräsident die Gunst der Stunde und schlachtet live vor Publikum das Geschäftsmodell von Eintracht Frankfurt aus. Keine fünf Minuten Redezeit, da steckt Axel Hellmann schon den Kopf in den Nacken.

Die Szenerie: Steubing strahlt, Hoeneß grinst, Hellmann sitzt zwei Meter entfernt – und kriegt die volle Breitseite. „Ich kritisiere niemanden“, beginnt Hoeneß, um dann genau das zu tun. Er nennt keinen Namen, muss aber keinen nennen. Jeder weiß, dass er Markus Krösche und dessen Talent-Börse meint, die in diesem Sommer wieder Omar Marmoush, Willian Pacho und wahrscheinlich Rasmus Kristensen zu Geld machen will.

Der satz, der hellmann treffen soll

„Jetzt wird Axel Hellmann auch noch begreifen, dass man bei jedem Verkauf Substanz verliert.“ Das „auch noch“ klingt wie ein Schulnote: bislang offenbar zu doof für die Einsicht. Hoeneß liefert nach: „Es ist schön, mal 50, 60 Millionen zu kassieren, aber was ist die Konsequenz? Beim nächsten Transfer wird es teurer, die eigenen Spieler wollen mehr, und die Identifikation der Fans bröckelt.“

Die Rechnung: Ein Harry Kane kostet 100 Millionen, bringt aber 150 Millionen an Image, Trikotverkauf und Medienwert. Frankfurt verkauft für 50 Millionen, muss für 70 Millionen nachkaufen – und kriegt einen Spieler, der nicht mal die Hälfte des Engländers ist. Hoeneß nennt das „Geheimnis der Bayern-Identität“. Krösche nennt das „liquide Bilanz“. Beide haben recht. Nur eins davon gewicht Titel.

50+1 Bekommt den rest

50+1 Bekommt den rest

Hoeneß schießt weiter, diesmal auf die Regel, die sein Klub nicht braucht. „Der FC Bayern ist der gesündeste Verein der Welt, weil wir alles selbst erwirtschaften. Trotzdem: 50+1 abschaffen!“ Die Logik: Wenn Gladbach oder Frankfurt Milliarden-Mäzene hätte, könnten sie mit Bayern mithalten – und müssten nicht jedes Jahr ihren besten Mann verkaufen. Hellmann, überzeugter 50+1-Hardliner, schaut betreten auf sein Wasserglas.

Die Ironie: Gerade Frankfurt feiert sich als „Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften“. Die Bilanz des laufenden Geschäftsjahres: bis zu 20 Millionen Minus, kein Europapokal in Sicht, das Stadion für 60 000 Fans aber trotzdem am Limit. Hoeneß sagt: „Wer dauerhaft verkauft, verkauft sich selbst.“ Die Commerzbank-Arena wird am Samstag trotzdem wieder ausverkauft sein – nur wissen die Fans nicht, wen sie nächste Woche noch anfeuern dürfen.

Hoeneß verlässt die Bühne, Steubing erhält seine Urkunde, Hellmann bleibt sitzen – und spürt den Druck der eigenen Tribüne. Die Leihgabe von Donny van de Beek ist kein Harry Kane. Die nächste Auktion läuft schon. Der Kurs der Frankfurt School lehrt Finanzmanagement. Die Praxis lehrt: Geld kommt, Substanz geht. Und Hoeneß? Der fliegt nach München, wo man kauft, statt zu verkaufen. Die Tabelle lügt nie.