Hitzewelle in Istanbul: Leben trotz Klimawandel

Istanbul schwitzt unter der Sommerhitze, wobei sich vor allem die Mittel- und Oberschicht in Ferienhäuser am Meer zurückzieht. Am Bosporus selbst ist es dank eines starken Windes, den die Einheimischen „Poyraz“ nennen, angenehm kühl, im Gegensatz zu den betonlastigen Vororten, die sich in der Hitze aufheizen.

Projekte für mehr Grünflächen verzögert

Der verhaftete Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu hatte zuvor angekündigt, Grünflächen und Parks in diesen Vierteln anzulegen. Seine Projekte sind jedoch seit seiner Verhaftung und der seiner Mitarbeiter ins Stocken geraten, was die Stadtverwaltung stark beeinträchtigt.

Obwohl es keine offiziellen Zahlen gibt, wird die Zahl der Hitzetoten vermutlich unter den Annahmen liegen, die es in Deutschland gab. Das Leben in der Türkei hat sich seit Langem an die Sommerhitze angepasst: Schulen, Universitäten, Justiz und Parlament haben eine Sommerpause, und die öffentliche Verwaltung ist reduziert besetzt. Klimatisierte Räume sind Standard, auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Sommerliche Abwanderung und leerere Städte

Sommerliche Abwanderung und leerere Städte

Von Mitte Juni bis Mitte September verlangsamt sich das Leben im ganzen Land. Viele Familien kehren in ihre Heimatdörfer zurück, und die Mittel- und Oberschicht zieht an die Küste. Allerdings machen sich die Auswirkungen des Klimawandels auch dort bemerkbar, da die Temperaturen an der Mittelmeerküste und in der südlichen Ägäis extrem hoch werden.

Waldbrände und Wassermangel

Waldbrände und Wassermangel

Ende Juli und Anfang August brannte es an fast 300 Orten entlang der Mittelmeer- und Ägäisküste. Dank verbesserter Überwachung durch Feuertürme und Drohnen konnten die meisten Brände schnell gelöscht werden, obwohl es einige Großbrände gab. Bislang gab es keine Monsterfeuer wie in Frankreich oder Spanien, aber der Sommer ist noch lang.

Das größte Problem ist jedoch die Wasserversorgung. Dürreperioden werden länger und Regenfälle unregelmäßiger. Istanbul, das früher auf unterirdische Zisternen angewiesen war, wird nun mit Wasser aus großer Entfernung versorgt, was in regenarmen Jahren bereits nicht ausreicht. Daher wird über eine Meerwasserentsalzungsanlage nachgedacht.