Hertha-poker: leitl und weber trotzen braunschweig-fiasko!

Braunschweig – Ein müder Punktgewinn, der mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert: Hertha BSC bangt weiter im Aufstiegsrennen, obwohl Geschäftsführer Peter Görlich eisern an Trainer Stefan Leitl und Sportdirektor Benjamin Weber festhält. Das 1:1 gegen Eintracht Braunschweig offenbarte erneut tiefgreifende Schwächen in der Berliner Spielanlage, die auch kommende Saison für Kopfzerbrechen sorgen könnten.

Die kontinuität als alibi?

Die kontinuität als alibi?

Görlichs Argument der Kontinuität klingt angesichts der enttäuschenden Leistungen in diesem Frühjahr geradezu hohl. Anstatt die Verantwortlichen zu hinterfragen, die Hertha seit Wochen in eine Ergebniskrise stürzen, preist er die Stabilität, die der Verein angeblich benötigt. Eine gefährliche Strategie, die den Druck auf Leitl und Weber weiter erhöht und die Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung im Team erstickt.

Die Berliner hätten die Partie gegen Braunschweig ungefährdet gewinnen müssen. Nach dem frühen Elfmeter und der Führung durch Fabian Reese boten sich zahlreiche Gelegenheiten, die Führung auszubauen. Doch statt den Sack zuzumachen, ließen Reese und Luca Schuler hochkarätige Chancen ungenutzt. Torwart Tjark Ernst, der erneut eine starke Leistung zeigte, brachte seine Frustration zum Ausdruck: „Es hat nur dieses verdammte zweite Tor gefehlt.“

Der springende Punkt: Fehlende Durchschlagskraft

Doch das Problem liegt tiefer als verpasste Torchancen. Hertha ist im Umschaltspiel weiterhin zu abhängig von dem, was der Gegner anbietet. Die Mannschaft fehlt es an Kreativität und taktischen Variabilität, um den Gegner regelmäßig vor Probleme zu stellen. 1,09 erwartbare Tore aus dem Spiel heraus gegen eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt, ist ein erschreckender Wert und spricht Bände über die fehlende Spielanlage der Berliner.

Die Abwehr war gegen Braunschweig ebenfalls alles andere als sattelfest. Die motivierten Niedersachsen marschierten in der zweiten Halbzeit auf das Hertha-Tor, und nur die Glanzleistung von Torwart Ernst verhinderte eine deutliche Niederlage. Es fehlen die Werkzeuge, um den gegnerischen Druck zu absorbieren und selbst Druck aufzubauen – eine bittere Erkenntnis für einen Verein mit Anspruch.

Hertha hat sich in eine Zeitschleife manövriert, in der sich die gleichen Probleme Woche für Woche wiederholen. Spieler und Verantwortliche klammern sich an einzelne Spielszenen und ignorieren dabei die tieferliegenden Ursachen für die anhaltende Misere. Eine Analyse, die vom Ergebnis aus erzählt, hat keine Halbwertszeit.

Ob Görlichs Versprechen einer „größten Transformation im Fußball“ eingelöst werden kann, bleibt abzuwarten. Es ist zu hoffen, dass die angekündigten Veränderungen im Verein nicht vor den Abläufen auf dem Feld Halt machen und Hertha BSC endlich den Weg aus der Krise weist. Sonst droht der Abstieg in die Zweite Bundesliga.