Herrmann-wick donnert: „jeder stein muss rollen“ – dsv-pleite zwingt zur radikalkur

Ein Bronze im Mix-Relais, sonst nichts. Antholz war für den DSV ein Minusgeschäft, und Denise Herrmann-Wick schlägt jetzt den Hammer rein: „Wir müssen jeden Stein umdrehen, und zwar sofort.“ Die 37-jährige ZDF-Expertin fordert eine Offensive, die weit über Fell- und Wachskisten reicht.

Material-klage wird lauter

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Die Franzosen zogen mit Carbon-Ski und neuem Beschichtungsverfahren vorbei, die Norweger schrauben seit Jahren an Mikro-Druckkammern in den Sohlen. Deutschland? Hängt hintenüber. „Wenn wir den Anschluss verlieren, wird der Abstand nicht kleiner, sondern zur Katastrophe“, warnt auch Vierfach-Olympiasieger Sven Fischer. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit Peking 2022 nur eine deutsche Einzelmedaille – ihre.

Der DSV-Sportdirektor Felix Bitterling hatte im Dezember schon seinen Rückzug angekündigt, die Nachfolge soll kommende Woche stehen. Wird der neue Mann oder die neue Frau den Karren aus dem Dreck ziehen? Die Entscheidung fällt in einer Atmosphäre, die selbst Bitterling als „Weltuntergangsstimmung“ bezeichnet – bevor er das Wort zurücknahm. Die Realität bleibt trotzdem: Deutschland ist vom Weltklasse-Podest verbannt.

Was viele vergessen: Der Verband stemmt sich gegen den Strukturwandel. Nachwuchs-Trainer klagen über veraltete Scheibenanlagen, die Skiservice-Crew ist personell auf Kante genäht, und die Internatsplätze in Ruhpolding werden knapp. Die Konkurrenz schläft nicht. Lettland feiert gerade ein Supertalent, Italien baut mit Wierer und Co. ab, aber geordnet. Deutschland steht mit leeren Händen da.

Herrmann-Wick kennt die Mechanik aus dem Inneren. Sie weiß, dass es nicht reicht, neue Ski zu kaufen. „Es geht um Systemfragen, um Sportpsychologie, um Mikro-Details, die sich auf der Strecke in Sekundenbruchteilen entladen.“ Ihre Forderung: Task-Force statt Lippenbekenntnisse, Budget-Umverteilung statt Flickenteppich. „Wir reden hier nicht über ein schlechtes Jahr, wir reden über eine Trendwende, die überfällig ist.“

Die Athleten schweigen öffentlich, hinter den Kulissen brodelt es. Ein Leistungsträger, der anonym bleiben will, textete mir letzte Nacht: „Wir fahren mit der Handbremse.“ Er schickte eine Excel-Datei mit: 0,7 Sekunden Rückstand pro Kilometer gegen Norwegen. Das klingt nach wenig, bedeutet auf zehn Kilometern eine Zielgerade voller Krampf. Die nächste WM rückt näher, der Zeitplan ist kein Freund des DSV.

Jetzt zählt nur eins: Radikalität. Wer Steine nur anstupst, wird von der Lawine mitgerissen. Wer sie umkrempelt, vielleicht einen Weg freilegen. Die Athleten haben die Schnauze voll vom „wird schon wieder“. Die Fans haben die Schnauze voll von Platz sieben und acht. Und Christian Schneider, der diesen Artikel schreibt, hat die Schnauze voll vom ewigen „nächstes Mal“. Wenn der neue Sportchef nächste Woche vorgestellt wird, muss er keine Power-Point liefern, sondern einen Plan, der wehtut – und der wirkt. Die Bronze von Antholz war kein Trost, sie war ein Weckruf. Wer ihn ignoriert, schlafwandelt in die Bedeutungslosigkeit. Tick-Tack, der Countdown läuft.