Heidenheim kapituliert: schmidt spricht tatenlosigkeit an und meint das ende
53 Gegentore, 22 Tore, Platz 18 – die Bundesliga-Märchenstunde des 1. FC Heidenheim ist vorbei. Nach dem 0:2 in Bremen sprach Trainer Frank Schmidt offen aus, was längst jeder dachte: „Das ist wenig bundesligatauglich.“
Schmidts wort ist ein seismograph für den ganzen verein
Ein Satz, der in die Geschichte eingehen wird. Nicht, weil er besonders klug klingt, sondern weil er die erste ehrliche Selbststilisierung eines Trainers ist, der 17 Jahre lang mit Heidenheim Höhen und Tiefen durchlebte. Schmidt, der sonst mit bürgerlicher Hartnäckigkeit den Absturz kleinredet, stempelte seine Mannschaft ab – und sich selbst mit.
Die Zahlen sprechen eine Sprache, die selbst Optimisten verstummen lässt. Seit dem 22. Spieltag nur ein Punkt. Dazu eine Chancenverwertung, die sich mit 12,8 Prozent xG-Konversion nur knapp über Amateurniveau bewegt. Bremen wiederum nahm die Geschenke dankend entgegen: 1,9 erwartete Tore, zwei Tatsächliche – Effizienz, wie sie Heidenheim abverlangt wird.

Die taktik ist nicht das problem – das material schon
Frank Schmidt gilt als Taktik-Fetischist, der selbst Bälle im Training zweimal misst. Doch seine rückwärtsgewandte 4-1-4-1-Pressing-Maschine funktioniert nur, wenn die Einzelspieler Tempo erzeugen. Mit Eren Dinkci kehrte zwar ein Hoffnungsträger zurück, doch der 23-Jährige kann keine Abwehr stabilisieren, die in 23 Spielen bereits 18 Mal die erste Gegentore-Ehre verspielte.
Der Abstiegsrechner der Uni Köln prognostiziert eine 87-prozentige Wahrscheinlich für den Gang in Liga zwei. Die verbleibenden Gegner: Leverkusen, Leipzig, Dortmund. Selbst das Restprogramm der Konkurrenten Mainz und Bochum ist freundlicher. Wer jetzt noch vom Wunder spricht, betet zu Göttern, die längst die Koffer gepackt haben.

Märchen enden oft mit einem paukenschlag
Heidenheim wird nicht abstürzen, weil der Verein zu klein ist. Er stürzt ab, weil die Liga endlich die Lücken fand, die Schmidt zuvor mit Emotionen und Unermesslichkeit zu kitten wusste. Die Lizenzspieler-Gesamtbewertung von 62 Millionen Euro klingt nach viel, doch der Gegner aus Bremen bringt es auf 132 Millionen – und das ist nur Platz elf der ewigen Einnahmeliste.
Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt
