Hecking kehrt zurück und holt sofort lebenszeichen: wolfsburg stemmt sich gegen hoffenheim
Neun Jahre hat es gedauert. Dann saß Dieter Hecking wieder auf der Wolfsburger Bank – und sein Team raubte der TSG Hoffenheim mit einem späten 1:1 die zwei Punkte. Der VfL bleibt Tabellen-Vorletzter, doch nach Wochen des Sinkflugs zählt erst einmal eins: Atmen.
Der späte ausgleich schmerzt, aber die kante stimmt
Die Szene, die Hecking nachträglich durch den Kopf geistert, passiert in der 88. Minute. Wolfsburg hat die Räume eng gezogen, die Hoffenheimer fast 80 Minuten lang an der eigenen Unzulänglichkeit verzweifeln lassen. Dann ein Standard, ein Klatscher, Maximilian Arnold verliert die Übersicht – 1:1. Hecking stemmt die Hände in die Hüften, atmet tief durch, geht zur Bank. „Hätte mir gewünscht, dass wir den Ball mal 20 Meter weiter wegköpfeln“, sagt er später, doch der Satz klingt nicht nach Gejammer, sondern nach Analyse.
Denn der 61-Jährige weiß: Unter normalen Umständen wäre ein Punkt in Sinsheim ein Ritterschlag. Bei seinem VfL, der vor dem Spiel sieben Pleiten in Serie hatte, ist er ein Seufzer der Erleichterung. Pirmin Schwegler formuliert es so: „Dieter hat es geschafft, dass Ruhe und Zuversicht einkehrt.“ Das klingt nach Floskel, ist aber die nüchterne Wahrheit. Die Mannschaft stand nicht mehr wie ein Haufen Fremder nebeneinander, sondern wie eine verschworene Einheit mit Plan.

Kleine schritte statt großer worte
Die Zahlen sind trotzdem hart: 18 Gegentore in den letzten fünf Partien, erst 13 eigene Treffer, nur zwei Siege aus 16 Spielen. Dennoch – wer die letzten Wochen verfolgt hat, weiß, warum Hecking den Punkt „gut“ nennt. Seine Vorgabe lautete: „Wir wollen keinen offenen Schlagabtausch, weil Hoffenheim sprintstark ist.“ Die Jungs hielten sich dran. Jonas Wind presste allein die Innenverteidigung, Maxence Lacroix blockte jeden zweiten Ball, und Koen Casteels parierte den ersten Schuss erst in Minute 63.
Die Fans im Auswärtsblock sangen 90 Minuten lang – ein kleines Wunder bei einer Saison voller Frust. Sie wissen: Am Samstag kommt Werder Bremen, das Kellerduell par excellence. Ein Sieg würde den VfL auf einen Punkt an die Bremen heranführen, eine Niederlage würde den Abstand auf den Relegationsplatz wieder auf fünf aufblasen. Die Kampagne „Retter Hecking“ bekommt also binnen sieben Tagen ihre erste Bewährungsprobe.
Der Coach selbst scherzt nach dem Schlusspfiff: „Wenn wir letzte Woche in Hamburg und daheim gegen Augsburg jeweils einen Punkt geholt hätten, ständen wir nicht da, wo wir stehen.“ Die Rechnung ist so einfach wie bitter. Aber sie zeigt auch: Der neue alte Mann an der Seitenlinie hat die Tabelle im Kopf und die Moral der Mannschaft wieder in der Hand. Noch reicht das nicht für den Klassenerhalt – aber schon mal für die Hoffnung, dass der VfL nicht ertrinkt, sondern zumindest wieder mitpaddelt.
