Hazard warnt: vinícius könnte mit 30 aufhören – rassismus frisst ihn auf
Eden Hazard spricht Klartext. Der Ex-Real-Star fürchtet, dass sein ehemaliger Kollege Vinícius Júnior den Rachen der spanischen Stadien nicht mehr lange durchsteht. „Ich würde mich nicht wundern, wenn er mit 30 sagt: Ich hör auf“, sagt der Belgier dem Sender RTBF. Die Last der rassistischen Beschimpfungen werde schwerer als jede Medaille.
Der vorfall in lissabon war nur die spitze
Erst vergangene Woche unterbrach Schiedsrichter Anthony Taylor das Champions-League-Achtelfinale zwischen Benfica und Real Madrid für zehn Minuten. Grund: Vinícius gab an, von Gegenspieler Gianluca Prestianni rassistisch beschimpft worden zu sein. Die UEFA sperrte Prestiannifür das Rückspiel – ein symbolischer Akt, der den Brasilianer offenbar kaum beruhigt.
Hazard war dabei, als Vinícius sich nach dem Spiel in der Kabine die Tränen weg wischte. „Er sagt nichts, er schluckt alles runter. Aber du siehst es ihm an: Der Kopf ist voll, bevor er auf dem Platz steht“, erzählt der Flügelspieler, der 2019 bis 2023 an seiner Seite spielte. „Stell dir vor, du musst vor jedem Auswärtsspiel erst checken, ob heute wieder Plakate mit Affen auftauchen.“
Die Statistik ist brutal: In dieser Saison allein hat Vinícius neun Mal öffentlich über rassistische Vorfälle geklagt – von Valladolid bis Osasuna. Nach dem jüngsten Vorfall in Pamplona skandierten Anhänger „Vinícius, stirb“. Die Liga leitete ein Verfahren ein, das Ergebnis steht noch aus.

Ein ballon-d’or-kandidat, der als buhmann enden könnte
Real Madrid sieht in ihm den Nachfolger von Cristiano Ronaldo. 24 Tore, 11 Assists in dieser Saison, Dribblings, die Twitter in Sekundenschnelle sprengen. Doch die Zahlen verpuffen, sobald das nächste Banner hochgezogen wird. „Die Leute reden mehr über das, was er ertragen muss, als über seine Trikotnummer“, sagt Hazard. „Das frisst ihn.“
Der belgische Ex-Profi kennt das Gefühl, wenn der Körper streikt. Seine letzte Saison in Madrid war ein einziger Reha-Marathon. „Aber meine Wunden heilten. Seine nicht“, sagt er. „Weil sie nicht von Schiedsrichtern oder Ärzten behandelt werden können.“
Vinícius selbst schwieg nach dem Prestianni-Eklat zwei Tage lang, bevor er auf Instagram postete: „Ich bin nicht allein, aber ich bin müde.“ Die Formulierung klingt wie ein Abschiedsbrief im Vorgriff.
Real-Interna berichten, dass der 25-Jährige in den letzten Wochen häufiger mit Beratern und Familie telefoniert als mit Teamkollegen. Sein Vertrag läuft 2027 aus, eine Verlängerung galt bis vor Kurzem als Formsache. Nun sei „alles offen“, heißt es im Umfeld des Klubs.

La liga schaut weg – und verliert ihr gesicht
Liga-Präsident Javier Tebas wirbt seit Jahren mit Vinícius’ Zauberfuß für globale TV-Deals. Gleichzeitig verweigert er sich einem automatischen Stadion-Ausschluss bei rassistischen Vorfällen. Stattdessen: Einzelverfahren, Geldstrafen, Alibiparolen. Die Rechnung: Ein Spieler, der 100 Millionen Euro Marktwert hat, erwägt, vorzeitig aufzuhören.
Hazard zieht den Schlussstrich: „Wenn er geht, gewinnt nicht der Sport. Gewinnt der Hass.“ Und fügt hinzu, was niemand laut sagen will: „Vielleicht ist er schon länger als 30 mental im Ruhestand.“
Die nächsten Heimspiele folgen im April. Vinícius wird dribbeln, treffen, jubeln – und sich umdrehen. Hinter ihm die Galerie, die ihn auspfiff. Vor ihm die Frage, wie viele dieser Blicke er noch erträgt. Die Uhr tickt. Nicht seine, sondern die der Liga.
