Havertz rettet arsenal in letzter sekunde – doch der nationalstürmer bleibt kühl

Regen peitscht ins Stadion, die Uhr steht auf 90+1, da trifft Kai Havertz – und Arsenal träumt vom ersten Champions-League-Titel. Doch der Matchwinner selbst zieht sofort die Handbremse.

Arteta lobt „killer-instinkt“ – havertz mahnt nach 1:0 in lissabon

Der Treffer in der Nachspielzeit war nicht nur ein Schlag ins Gesicht von Sporting, sondern auch ein Schlag gegen die eigene Krisenstimmung. Nach der 0:3-Pleite in Southampton hatte Mikel Arteta seine Spieler in eine Art Krisenmodus versetzt: Kein Training ohne Videoanalyse, keine Pressekonferenz ohne Ermahnung. Havertz, eingewechselt in der 70. Minute, erfüllte das Skript perfekt. Er nahm eine Flanke von Bukayo Saka volley, der Ball rutschte unter dem portugiesischen Keeper durch – 1:0, Spiel gedreht, Gruppenfoto mit verschwitzten Fans.

Arteta sprach später von „einem Moment, den Kai liebt“. Die Wahrheit: Havertz liebt solche Momente, aber er hasst die danach folgende Euphorie. „Wir haben in der kommenden Woche noch viel Arbeit vor uns“, sagte er, während die Kollegen noch mit den ausgelutschten Arsenal-Fahnen wedelten. Die Worte klangen, als hätte er das Spiel verloren. So funktioniert seine Psyche: Erst die Analyse, dann das Feiern – wenn überhaupt.

Die zahlen, die arsenal hoffnung machen – und die, die sie warnen

Die zahlen, die arsenal hoffnung machen – und die, die sie warnen

Arsenal hat in dieser Saison acht Auswärtsspiele in der Champions League bestritten – sieben davon gewonnen. Die einzige Niederlage kassierten sie in Lissabon, allerdings im September 2023. Die Statistik lügt nicht: Wer in der Rückrunde der Königsklasse vor eigenem Publikum agiert, hat seit 2019 eine 78-prozentige Chance, das Halbfinale zu erreichen. Dennoch: Die Gunners schossen in den letzten beiden Pflichtspielen nur zwei Tore – beide in der Nachspielzeit. Die Chancenverwertung liegt bei 9,4 Prozent, schlechtester Wert aller Viertelfinalisten.

Havertz kennt die Zahlen. Er sitzt oft nach Training noch im Videozelt, schaut sich Situationen an, in denen er den Ball nicht annimmt, sondern ablegt. Gegen Sporting hatte er 21 Ballaktionen – 17 davon in der gegnerischen Hälfte. Er läuft mehr als jeder andere Stürmer, aber läuft auch öfter in die Richtung, die kein Mitspieler erwartet. Das macht ihn unberechenbar, aber auch anfällig für Lücken in der Deckung. Wenn Arsenal am 15. April um 21.00 Uhr im Emirates Stadion anpfift, wird Havertz wieder Startelf stehen. Dann wird er nicht mehr retten müssen, sondern führen.

Die Saison hat noch sieben Wochen, sagt er. Sieben Wochen, um Geschichte zu schreiben oder zu scheitern. Havertz lacht nicht, wenn er das sagt. Er weiß: In der Champions League reicht ein Tor – aber nur, wenn man danach noch eins erzielt. Und er hasst es, wenn der Ball nicht im Netz landet.