Hannover 96 landet lucky punch und patzt trotzdem nach oben

Der Sieg war schmutzig, die Stimmung verraucht, der Platzverlust von Eintracht Braunschweig historisch: Mit einem Kopfballtreffer von Maik Nawrocki zum 1:0 hat Hannover 96 das 184. Niedersachsen-Derby für sich entschieden und sich vorerst auf Rang drei der 2. Bundesliga geschoben. Die 96er profitieren vom Patzer der Konkurrenz – und von einer Braunschweiger Anfangsphase, die an die eigene Unverwundbarkeit erinnerte, bis wieder einmal die Abwehr einschlief.

Tor nach halber stunde, glück nach 90 minuten

Die erste Viertelstunde gehörte den Roten: vier Ecken, ein Pichler-Kopfball, Hoffmann im Braunschweiger Tor als Retter in der Not. Dann plätscherte die Partie, bis Stefan Thordarson auf links durchstartete und Maik Nawrocki am Fünfmeterraum völlig frei stehen ließ. 30. Minute, 1:0, der Rest war Verwaltung. Hannover wackelte in Durchgang zwei, als der Spielflutter durch Pyrotechnik-Show beider Kurven elf Minuten unterbrochen wurde. Lars Kornetkas neue Elf schlug sich tapfer, aber sie traf nur den Pfosten, nicht das Netz. Die Serie: 33 Jahre ohne Auswärtssieg in der HDI-Arena hält.

Die Tabelle lügt nicht, sagt man. Doch wer die letzten neun Spiele der 96er betrachtet, sieht eine Mannschaft, die mit Wumms startet und mit Glück landet. Nur eine Niederlage in dieser Phase – das ist Aufstiegsform. Nur vier Tore in den letzten fünf Partien – das ist Angsthasenkost. Trainer Christian Titz redet von „Effizienz“, der Spielführer von „Charakter“. Die Fans feiern trotzdem, denn der d Platz ist der direkte Aufstiegsrang, und die Konkurrenz aus Hamburg und Düsseldorf hat plötzlich den Atem eines Marathonläufers, der zu früh gesprintet ist.

Braunschweig steht auf tauchstation

Braunschweig steht auf tauchstation

Für die Löwen ist die Lage klarer, aber bitterer: Drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, aber ein Kalender, der nach den Topspielen gegen Kiel, HSV und Paderborn riecht. Kornetka hatte nach seinem Debüt-Fight gegen Düsseldorf von „neuem Selbstvertrauen“ gesprochen. Nach 90 Minuten in Hannover klang das wie ein Satz aus einem anderen Jahrzehnt. Die Chancenverwertung war miserabel, die Abstimmung in der Viererkette schwankte wie das Flutlicht durch den Rauch der Bengalos.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Hannover 96 spielt sich mit Hängen und Würgen in Position für die Aufstiegsrelegation, Braunschweig taumelt auf Tauchstation zu. Die Saison hat noch sieben Spieltage – genug Zeit für weitere Derbys, weitere Bengalos und vielleicht auch für die eine oder andere Wahrheit, die hinter dem Rauch der Tabellen versteckt liegt. Die 96er nehmen die Punkte mit, die Braunschweiger nehmen die Erkenntnis: Ohne Treffer gewinnt man kein Derby, und ohne Sieg bleibt der Abstieg ein Gespenst, das sich nicht mehr wegrauchen lässt.