Hanning schlägt zurück: var rettet fairness, aber schiris sollen wieder trauen
Bob Hanning legt sich mit der ganzen Liga an. Der Manager des deutschen Handball-Meisters Füchse Berlin verteidigt den Videobeweis, obwohl gerade Stefan Kretzschmar ihn als „Rote-Karten-Maschine“ diffamiert. Hanning sagt klar: „Ich bin absoluter Fan des VAR.“ Sein Begründung kommt ohne Emotion, dafür mit Zahlen: Früher habe jeder dritte Gesichtstreffer im Strafraum ungesühnt bleiben müssen, heute liegt die Quote bei unter fünf Prozent.
Doch der 58-Jährige sieht zwei Stolpersteine. Erstens: „Sobald du rausgehst, findest du fast immer einen Gesichtstreffer.“ Die Folge: Ein Spielzug, der in Echtzeit korrekt gewesen wäre, wird nachträglich korrigiert – und der Rhythmus bricht zusammen. Zweitens verhalten sich viele Akteure wie „VAR-Gaffer“, statt sich auf den Sport zu konzentrieren. Hanning fordert deshalb einen „Fair-Play-Kodex“, der die Profis in die Pflicht nimmt: Wer absichtlich provoziert, fliegt – egal, was die Bilder später zeigen.

Hannings appell: „verlasst euch auf euren instinkt“
Sein Satz ist ein Seitenhieb gegen die aktuelle Schiedsrichter-Generation. „Ihr seid gut genug, geht nicht immer raus!“ ruft er den Unparteiischen zu. Die Liga habe in den vergangenen drei Jahren 1,2 Millionen Euro in die Technik gesteckt, aber nur 35 000 Euro in Psychologie- und Entscheidungstrainings für Schiris. „Das Verhältnis passt nicht“, so Hanning. Sein Lösungsvorschlag: kürzere VAR-Reviews, maximal 30 Sekunden, und ein „Challenge-Recht“ für Trainer, das sie pro Spiel einmal einsetzen können – verlieren sie die Challenge, brennt auch ihre Auszeit.
Die Zahlen geben ihm recht. Seit Einführung des Videobeweis sind die roten Karten in der HBL um 18 % gestiegen, die Zahl der verletzungsbedingten Auszeiten dagegen um 12 % gefallen. Fairness steigt, Brutalität sinkt. Hanning bilanziert trocken: „Wer jetzt noch gegen den VAR wettert, will das Spiel nicht sauberer, sondern nur schmutziger.“
Also steht er zwischen allen Fronten – zwischen Kretzschmars Rage und der Schiedsrichter-Angst. Seine Devise: Technik ja, aber mit Menschen, nicht gegen sie. Und wenn sich das nicht ändert, wird der Meister-Manager nicht zögern, beim nächsten Ligatreffen die Zeitmessung anzufechten – mit einer eigenen Challenge, natürlich.
