Handbike-held: ein schicksalswechsel im wüstenduell
Ein Leben als Feuerwehrmann, ein tragischer Unfall, und nun die Wüste – Jon Pablo Montoia, paraplegisch und Handbiker, trotzt bei der Skoda Titan Desert Morocco den härtesten Bedingungen. Ein Wettkampf, der mehr ist als nur Sport: Er ist ein Statement.
Die erste hürde: ein fluss, ein schock
Die Skoda Titan Desert Morocco ist bekannt für ihre gnadenlose Landschaft. Was viele Reisende nicht wissen: Die Navigation durch das Atlasgebirge und die Sahara ist eine logistische Herausforderung. In der ersten Etappe, am 26. April, erlebte Montoia einen Moment der Angst, der dem gesamten Team KH-7 einen Schreck einjagte. Ein Fluss, der eigentlich nur einen kleinen Übergang bildete, entpuppte sich als tückisch. Ein provisorischer Steg aus zwei Brettern bot keine sichere Passage, und als Montoia und sein Handbike-Kollege Iñaki Mújica versuchten, das Ufer zu erreichen, wurde Montoia von der Strömung erfasst. Nur das schnelle Handeln seiner Teamkollegen verhinderte Schlimmeres – sie sicherten ihn und brachten ihn in Sicherheit. Ein Teamwork, das in solchen Situationen über Leben und Tod entscheiden kann.

Von navarra ins abenteuer: ein feuerwehrmann findet neue kraft
Montoia ist kein Unbekannter im sportlichen Bereich. Jahrelang war er als Feuerwehrmann in Navarra aktiv, immer in Bewegung, immer bereit. Doch 2021 veränderte ein Unfall beim Klettern sein Leben grundlegend. Eine Paraplegie schien den Traum von einem aktiven Leben zu beenden. Doch Montoia gab nicht auf. Er fand eine neue Leidenschaft im Handbiken, einer Sportart, die ihm die Möglichkeit gibt, seine Fitness zu erhalten und neue Ziele zu verfolgen. “Ich war schon immer ein sehr aktiver Mensch,” sagt er, “und das Handbike ist eine großartige Möglichkeit, um aktiv zu bleiben.”

Das titan desert: ein unmögliches ziel wird wirklichkeit
Die Teilnahme am Skoda Titan Desert Morocco schien zunächst ein verrückter Gedanke zu sein. Selbst die erfahrenen Organisatoren von RPM, die mehr als 20 Ausgaben dieser anspruchsvollen Veranstaltung erlebt haben, waren skeptisch. Sie sahen viele potenzielle Probleme und waren sich nicht sicher, ob sie Montoia und sein Team angemessen unterstützen könnten. Doch die Stiftung Guttmann und KH-7 unterstützten das Vorhaben, und so wurde ein Traum Wirklichkeit.

Mehr als nur ein rennen: eine botschaft der inklusion
In der ersten Auflage, 2025, war die Teilnahme eine Art Erkundungsreise. Doch dieses Jahr, 2026, verfolgt Montoia ein anderes Ziel: Er möchte zeigen, dass Sport für Menschen mit Behinderung zugänglich sein kann. “Ich möchte, dass unsere Teilnahme keine Ausnahme ist, sondern zur Normalität wird,” erklärt er. Seine elektrische Handbike, ausgestattet mit Hinterradantrieb und einem seitlichen Balance-System, hilft ihm dabei, die anspruchsvollen Terrains zu meistern. Das Gerät wiegt 50 Kilo und wird ausschließlich mit den Armen angetrieben – ohne elektrische Unterstützung wäre ein Wettkampf schlichtweg unmöglich. “Ich kann mit der gleichen Geschwindigkeit wie vor dem Unfall fahren,” sagt Montoia. “Es geht darum, Teil der Gruppe zu sein.”
Ein lächeln trotz aller widrigkeiten
Die Titan Desert ist eine tägliche Lektion in Anpassungsfähigkeit. Unebene Wege, unerwartete Hindernisse und schwierige Passagen fordern jeden Teilnehmer bis ans Limit. Für Montoia bedeuten diese Herausforderungen zusätzliche Entscheidungen und Anpassungen. Doch er nimmt alles mit Humor: “Heute hatten wir eine kleine Aventure… ich habe mehr Wasser getrunken, als ich sollte,” sagt er lachend, in Bezug auf seinen unbeabsichtigten Sprung in einen Fluss. Was ihn wirklich antreibt, ist die Erfahrung selbst: Die Nächte in der Wüste, die sechs Tage des Rennens, das Wiederentdecken von Gefühlen, die er für verloren gehalten hatte.
Montoia sucht keine Epik oder besonderen Auszeichnungen. Seine Geschichte ist die eines Mannes, der beschlossen hat, das zu tun, was er liebt, und sich an eine neue Realität anzupassen. Und auf diesem Weg beweist er auf beeindruckende Weise, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren.
