Handball-knaller auf prosieben: millionen-potenzial trotz blackout-panne
660.000 Zuschauer sahen den ersten Test, 580.000 den zweiten – und das, obwohl die letzten Sekunden im TV-Äther einfach verschwanden. Der Deutsche Handballbund (DHB) jubelt trotzdem. Denn die Ägypten-Doppelpackung war kein Quantensprung, sondern ein Startschuss in ein neues Reichweitenzeitalter.
Prosieben statt ard: der dhb wagt den blick über den tellerrand
Mark Schober, Vorstandschef des DHB, spricht von „frischen Formaten“ und „ordentlichen Zahlen“. Klingt nach PR-Sprech, ist aber nachvollziehbar: Der Verband sicherte sich bis 2031 die Rechte bei ProSiebenSat.1 – und damit Zugang zu einer Plattform, die Handball bisher nur als Randnotiz kannte. Die Quoten liegen im Schnitt der beiden Spiele bei 620.000, ein Wert, den selbst manche Bundesliga-Samstagsspiele nur mühsam erreichen.
Der TV-Blackout in der Schlussphase des 34:33-Krimis? „Fehler passieren“, sagt Schober und schiebt die Schuld beiseite. Für ihn zählt das Gesamtpaket: Free-TV-Präsenz, kostenloser Joyn-Stream, zusätzliche Pay-Optionen über Dyn und Sporteurope.TV. Die Botschaft: Wer Handball sehen will, findet ab sofort mindestens drei Wege – und kann sogar zwischen dem Spiel und der Joko-&-Klaas-Show hin- und herspringen, wenn David Späth und Miro Schluroff als Promi-Gäste einfallen.

Timeout-verkauf statt taktik-bild: die splitscreen-lösung spaltet fans
Kritik hagelt es vor allem über die Timeouts. Statt taktischer Sequenzen rollt Werbung, die Auszeit wird später im Splitscreen nachgereicht. Für Puristen ein Sakrileg, für den DHB ein Kompromiss, der Reichweite generiert. Schober kontert: „Alle Details sind verfügbar – über Dyn bekommen Hardcore-Fans ihren gewohnten Rhythmus.“ Die Message: Wer Tiefe will, zahlt oder streamt. Wer Querbeet entertained wird, bleibt im Free-TV.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: ProSieben erreichte mit der Premiere neue Zuschauergruppen, die ARD und ZDF nie im alleinigen Zugriff hatten. Ob sich das Format auf Dauer etabliert, entscheidet sich 2025, wenn die WM ansteht und die Handball-EM im eigenen Land die nächste Bewährungsprobe folgt. Dann muss der Blackout-Panne eine nahtlose Liveschaltung folgen – sonst versenkt nicht nur der letzte Pass die Quote, sondern auch das Vertrauen der Zuschauer.
