Handball-boom: liga verpasst die chance!
Die deutsche Handball-Bundesliga erlebt einen regelrechten Boom – doch die Klubs scheinen sich schwer zu tun, das gesteigerte Interesse für sich zu nutzen. Liga-Boss Frank Bohmann schießt nun Klartext und fordert von den Vereinen ein Umdenken. Es geht um mehr als nur volle Hallen.

Die diskrepanz zwischen nationalmannschaft und bundesliga
Der Erfolg der Nationalmannschaft zieht Millionen vor die Bildschirme, während die HBL kämpft, aus der lokalen Nische auszubrechen. Bohmann spricht von einer „großen Lücke“, die es zu schließen gilt. „Da ist der FC Bayern oder der BVB nicht viel schwächer als die Nationalmannschaft. Bei uns schon“, analysiert er. Es ist ein Dilemma, das die Liga seit längerem beschäftigt, und die jüngsten Ereignisse um die Meisterschale der Füchse Berlin – ein Drama, das von Verschwinden, Auflösen und schließlich Wiederauftauchen in einem Keller handelte – haben dieses Problem nur noch deutlicher gemacht.
Die Zuschauerzahlen sprechen eine deutliche Sprache: 1,69 Millionen Fans strömten in der Vorsaison in die Hallen, was einem Durchschnitt von 5525 Zuschauern pro Partie entspricht. Der Gesamtumsatz kletterte auf rund 250 Millionen Euro. Doch dieses Potenzial wird nicht ausgeschöpft. Der Schlüssel liegt in der Strahlkraft, die über die Hallentüren hinausgeht. Die Abhängigkeit vom Sponsoring ist groß, und um diese zu verringern, braucht es mehr Aufmerksamkeit.
„Wir müssen noch viel mehr Geschichten um Andi Wolff, um Julian Köster, um Johannes Golla und Mathias Gidsel erzählen“, fordert Bohmann. Es geht darum, die Spielerpersönlichkeiten in den Vordergrund zu stellen und die Fans emotional zu erreichen. Denn während die Handball-EM im Winter 12,8 Millionen Zuschauer vor die Fernseher lockte, können die Bundesliga-Vereine trotz steigender Reichweiten nur träumen von einer solchen Resonanz.
Der Final Four um den DHB-Pokal am kommenden Wochenende in Köln, ein prestigeträchtiges Ereignis, bietet nun die Chance, neue Wege zu gehen. Bohmann ruft die Klubs auf, sich ein Beispiel an anderen Sportarten zu nehmen, wie beispielsweise dem FC Bayern Basketball oder Viktoria Berlin im Frauenfußball. Es braucht eine neue Marketingstrategie, eine bessere Inszenierung der Spieler und eine stärkere Bindung an die Fans.
Christian Seifert, Dyn-Gründer und ehemaliger DFL-Boss, sieht die Zeit reif für einen weiteren Schritt. „Handball ist tatsächlich nicht mehr auf der Abschussrampe, sondern jetzt verlässt die Rakete langsam die Basis“, so Seifert. Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein, und die HBL muss jetzt handeln, um das volle Potenzial auszuschöpfen. Der Handball hat den Poldi-Schweini-Moment erreicht – jetzt muss die Liga ihn nutzen.
