Hackl winkt ab: eiskanal-legende verlässt nach 38 jahren die bühne

Georg Hackl hat es wieder getan. Statt langer Reden ein kurzes „Servus“ – und weg war er. Mit diesem einen Wort beendete der 59-Jährige am Sonntag in Altenberg nicht nur den Weltcup, sondern seine gesamte Karriere im Eiskanal. Fast vier Jahrzehnte nach seinem ersten Start verschwindet der Mann, der das Rodeln prägte wie kein Zweiter.

Der abschied kam ohne fanfare, aber mit offenem visier

Seit Mai 2022 baute Hackl als Technik-Coach für den österreichischen Verband die Schlitten zurecht, die anderen um Medaillen fahren. Im Dezember kündigte er an, dass er nach Olympia aufhören will. Nun, drei Monate später, war der Moment da. Die Kameras des ZDF hielten ihn fest, wie er mit kühler Stimme in die Linse blickte: „Servus an alle Fans. Es hat Spaß gemacht, euer Hackl Schorsch.“ Fertig. Aus. Weg.

Diese nüchterne Kürze passt zu ihm. Hackl war nie der Lauteste, aber der Schnellste. 1987 fing er mit Silber an, 1992 krönte sich in Albertville zum König. 1994 wiederholte er in Lillehammer. Und dann Nagano 1998: Gold Nummer drei – als erster Rodler überhaupt in drei Spielen nacheinander. Die Zahl 9. Februar 1998 steht noch heut in Naganos Eiskanal-Aushang, als Mahnung für alle, die nachkommen.

Der deutsche, der für österreich arbeitete und die welt veränderte

Der deutsche, der für österreich arbeitete und die welt veränderte

Nach seinem Karriereende 2006 schraubte er erst beim deutschen Verband an Material und Aerodynamik, bevor er 2022 nach Österreich wechselte. Dort verlieh er Schlitten Flügel, die früher nur Träume hatten. Seine Schützlinge holten sich Weltcup-Siege, er selbst blieb im Hintergrund. „Ich habe so viele Höhen und Tiefen miterlebt“, sagt er rückblickend, „tolle Momente, Siege und Niederlagen.“ Das klingt nach Standard, ist aber Programm: Hackl war immer Ingenieur, nie Showman.

Die Bilanz bleibt gigantisch: 33 Weltcupsiege, fünf WM-Titel, drei olympische Goldmedaillen – und eine Technologie, die heute jeden Schlitten prägt. Seine Karriere begann mit Holz und Stahl, endet mit Carbon und Windkanal. Zwischen liegen 38 Jahre Weltcup, unzählige Nächte in Hotelzimmern und ein Sturz letzten Winter, der ihn Schulter- und kopfwund zurückließ. Trotzdem kam er wieder. Bis eben jetzt.

Die Sportart verliert mit ihm einen Tüftler, der Geschwindigkeit messbar machte. Die Fans verlieren eine Stimme, die nie laut wurde, aber immer durchs Ziel hallte. Und Hackl? Der fährt nach Hause, baut vielleicht einmal einen Schlitten für sich selbst – und braucht kein Mikrofon mehr. Servus, Schorsch. Der Eiskanal wird künftig leiser, aber schneller sein, weil du ihn so hinterlassen hast.