Gullit kritisiert italien: "keine verteidiger mehr, kein fußball-dna!"
Madrid – Die italienische Fußballnationalmannschaft befindet sich in einer Krise, und das sieht auch Ruud Gullit so. Der frühere AC-Mailand-Star äußerte sich bei den Laureus World Sports Awards in Madrid scharf zur aktuellen Situation des italienischen Fußballs und warf einem Mangel an solider Defensive und einer fehlenden Identität vor.
Die wurzeln des problems: eine veränderte mentalität
Gullit, der selbst in der Serie A für Sampdoria und den AC Mailand spielte, betonte, dass die Stärke Italiens traditionell in seiner Abwehr lag. „In der Vergangenheit war Italien immer stark, weil man sich gut verteidigen konnte und dann die Möglichkeit hatte, einen Punkt zu holen. Jetzt kann fast jede Chance des Gegners zu einem Tor führen.“ Er beklagte, dass die italienischen Spieler nicht mehr die gleiche Defensivstärke und das Verständnis für das Spiel hätten wie früher. „L'ultima volta che l'Italia ha vinto qualcosa è stato quando aveva una difesa solida.“
Der Niederländer führte weiter aus, dass die italienische Fußballkultur sich verändert habe. „Sie spielen einen Fußball, der nicht zu ihrer DNA passt. Sie wollen einen Fußball spielen, der einfach nicht zu ihnen gehört.“ Er kritisierte auch den Mangel an Stürmern und die fehlende Konstanz in der Offensive. „Sie haben früher immer große Stürmer gehabt. Jetzt müssen sie zu ihrer DNA zurückkehren, und das bedeutet, mit der defensiven Phase zu beginnen.“
Gullit betonte, dass es nicht darum gehe, den Bus vor den eigenen Strafraum zu parken, sondern darum, sich zu verteidigen. „Das ist der Ausgangspunkt, und ich hoffe, Italien kehrt das Niveau zurück, das es verdient.“

Die rolle der jugend und der erfahrung
Auch auf die Frage nach der großen Anzahl ausländischer Spieler in der italienischen Liga ging Gullit ein. „Das gab es schon, als wir spielten.“ Er räumte ein, dass Italien zwar die Europameisterschaft gewonnen habe, aber auch zwei Weltmeisterschaften verloren habe. „Du brauchst auch ein bisschen Glück. Der Fußball ist nicht immer logisch.“
Er betonte die Notwendigkeit, junge Spieler zu fördern. „Der FC Barcelona musste junge Spieler einsetzen, als sie kein Geld mehr hatten. Sieh, wie viele es jetzt gibt.“ Gullit forderte eine ausgewogene Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern, wobei die erfahrenen Spieler den jungen Spielern im Training helfen sollen, ihre Fehler zu erkennen und zu korrigieren. „Mit nur jungen Spielern gewinnt man nichts.“
Die Analyse von Ruud Gullit ist ein deutliches Signal an den italienischen Fußballverband und die Vereine. Es liegt an ihnen, die traditionellen Stärken wiederzuentdecken und eine neue Generation von Spielern heranzuziehen, die die italienische Fußball-DNA verkörpern, damit die Erfolge der Vergangenheit nicht nur Erinnerung bleiben.
