Guardiola schläft nicht: die frage, die ihn nach madrid-aus quält
Pep Guardiola trägt kein Smartphone mit ins Bett – nur diesen einen Gedanken. Was wäre, hätte Bernardo Silva nicht in der 15. Minute die Hacke gegen Valverde ausgefahren? 11 gegen 11, 75 Minuten lang? „Ich nehme den Verdacht in den Schlaf mit mir“, sagt der Coach nach dem 1:2 gegen Real Madrid, das 1:5 der Gesamtsumme, und seine Stimme klingt, als hätte ihm jemand das Leder einer ganzen Saison in den Hals gestopft.
Die szene, die das etihad in einen schockstarren versetzte
Silva sieht Rot – seine erste Karriere-Rot. Die Slow-Motion zeigt: minimaler Kontakt, keine Blessur, aber Referee Marciniak zückt konsequent Gelb-Rot. Guardiola zuckt mit den Schultern, doch seine Hände verfolgen ihn noch Stunden später. „Ich kann Bernardo nichts vorwerfen, das war Instinkt bei Tempo 30. Aber das Spiel war damit gelaufen.“ Tatsächlich: City dominiert auch in Unterzahl, Lewin mit dem Anschlusstreffer, doch Vinicius’ Doppelpack zerstört jede Rechnung.
Die Statistik lügt nicht: 1,9 Expected Goals für City nach der Ampelkarte, 0,6 davor. Selbst mit einem Mann weniger drängten die Sky Blues, doch Real verwandelt jeden Fehler in Gold. Guardiola kennt dieses Kino – er hat es selbst geschrieben, als er bei Barça die Gegner demontierte. Jetzt sitzt er auf der anderen Seite der Klinge.

„Unsere zukunft ist trotzdem strahlend“ – ein schwur statt selbstmitleid
Die Frage nach seiner Zukunft wirft der 55-Jährige sofort zurück: „Warum wollt ihr mich immer feuern?“ Dann lacht er, doch der Ton bleibt scharf. „Ich will, dass eines Tages eine Saison ohne Champions-League-Titel hier als Debakel gilt – wie in Madrid.“ Das ist kein Wunsch, es ist ein Maßstab, den er selbst gesetzt hat. Ein einziger Pokal seit 2016? „Zu wenig für die Qualität, die wir besitzen.“
Der Kader ist jung, Haaland erst 25, Foden 25, Doku 23. „Sie müssen lernen, auszusteigen wie Profis“, sagt Guardiola. Die nächsten Termine kommen sofort: Sonntag Carabao-Cup-Finale gegen Arsenal, danach FA-Cup-Kracher mit Liverpool. „Wir werden nicht in Trübsinn versinken, wir werden weitermachen – und im Sommer richtige Schlüsse ziehen.“
Am Ende bleibt die unausgesprochene Rechnung: Seit 2022 hat Real Madrid in K.O.-Duellen vier Mal den City-Zug abgewürgt. Guardiola weiß: Um dieses Monster zu bändigen, braucht es mehr als Ballbesitz. Er wird zurückkommen – und die Frage, die ihn heute plagt, in die Kabine pinnen. Denn nur wer solche Nächte durchlebt, kann am Ende feiern, bis das Etihad erbebt.
