Griezmanns letzter tanz: kann atlético im champions-league-halbfinale wunder wirken?

Madrid bebt – oder eben auch nicht. Antoine Griezmann, die Vereinslegende, steht im Sommer vor dem Absprung zu Orlando City. Kann er Atlético Madrid vor seinem Abschied noch einmal die Champions-League-Trophäe sichern? Das Halbfinal-Hinspiel gegen Arsenal am Mittwochabend wirft ein Schlaglicht auf eine Karriere voller Glanz, aber auch unerträglicher Enttäuschungen.

Die schmerzhafte bürde des verlorenen elfmeters

Die Erinnerung an das Champions-League-Finale 2016 gegen Real Madrid sitzt tief. Griezmann, damals bereits eine feste Größe bei Atlético, trat den entscheidenden Elfmeter – und traf den Querbalken. Ein Moment, der ihm seitdem wie ein Schatten folgt, ein Konjunktiv, der ihn nicht loslässt. „2016 – der Elfmeter“, hauchte er kürzlich in einem UEFA-Interview. „Es ist eine sehr tiefe Wunde, die wir als Verein und als Spieler tragen.“ Die bittere Wahrheit: Atlético hat in seiner langen Geschichte noch nie die Königsklasse gewonnen.

Die Chance zur Genese ist nun da. Aber es ist mehr als nur eine Chance – es ist die allerletzte für Griezmann in den Farben von Atlético. Der Sommer bringt den Abschied, die MLS ruft. Doch der 35-Jährige scheint entschlossen, seinen letzten Auftritt in Europa mit einem Paukenschlag zu krönen. Koke, das Herzstück des Teams, betonte: „Es geht nicht nur um Griezmann. Es geht um den Titel für den gesamten Verein.“

Mehr als nur tore: griezmanns vermächtnis

Mehr als nur tore: griezmanns vermächtnis

Seine Bilanz spricht für sich: 212 Tore in 494 Spielen für Atlético. Doch Griezmann ist mehr als ein Torjäger. Er ist ein Spielmacher, ein Vorlagengeber, ein Kreativkopf, der das Spiel lenkt. Seine Leistungen bei der Heim-EM 2016 und der WM 2018, wo er maßgeblich zum Titelgewinn Frankreichs beitrug, sind legendär. Die Fans in Madrid erinnern sich an seinen Kopfball im Viertelfinale gegen Barcelona 2015/16, an seinen blitzschnellen Konter gegen die Bayern im selben Jahr. Diego Simeone, sein Trainer, schwärmte kürzlich: „Du bist ein bewundernswerter Mensch, der für seine Mannschaft kämpft.“

Doch trotz all dieser Erfolge fehlte Atlético Madrid immer wieder die ganz große Krönung. Zwei Jahre vor dem verpassten Elfmeter verlor man erneut ein CL-Finale gegen Real. In der Liga reichte es zweimal zu Platz zwei. Selbst der Gewinn der Copa del Rey im Elfmeterschießen gegen Real Sociedad konnte die Enttäuschung nicht nehmen. Und die Ironie des Schicksals: Während seines Ausflugs zu Barcelona holte Atlético die Meisterschaft – ohne Griezmann.

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Griezmann will nicht nur den Titel gewinnen, sondern auch seinen Fans ein unvergessliches Abschiedsgeschenk machen. „Ich sauge alles auf, ich genieße es ungemein“, sagte er mit einem Lächeln. Ob er mit Atlético das Wunder vollbringt und sich ein Happy End in der Champions League sichert, wird sich am Mittwochabend zeigen. Aber eines ist sicher: Antoine Griezmann wird in die Geschichte von Atlético Madrid als einer der größten Spieler aller Zeiten eingehen – unabhängig vom Ausgang des Halbfinales gegen Arsenal.