Grand-slam-damen bekommen ein fünfsatz-update – sabalenka jubelt, swiatek schüttelt den kopf

Aryna Sabalenka hätte wohl schon fünf statt vier Trophäen im Wohnzimmer stehen, würde man sie im Viertelfinale von Melbourne, Paris, Wimbledon oder New York nicht nach zwei gewonnenen Sätzen nach Hause schicken. Die Weltranglistenerste fordert offen: Lasst uns auch im Damen-Tennis Best-of-five spielen – zumindest ab dem Viertelfinale. Die Reaktion der Konkurrenz: klinisch geteilt.

Die Weißrussin selbst lacht in Indian Wells, als sie die Frage nach dem Format erhält. „Ja, lasst uns das machen. Mein Körper ist ein Tank, ich würde nur gewinnen.“ Dahinter steckt eine nüchterne Rechnung: Längere Matches bedeuten mehr TV-Minuten, mehr Werbeblöcke, mehr Preisgeld – und für sie persönlich mehr Zeit, ihre physische Überlegenheit ins Scoreboard zu hämmern. Die Zahlen sprechen mit: Bei den letzten drei Slams verlor Sabalenka kein einziges Match in drei Sätzen, schon gar nicht, wenn eine Gegnerin nach zwei Sätzen die Beine streckte.

Craig tiley setzt den stein ins rollen

Der Auslöser kam in Melbourne. Craig Tiley, noch Chef der Australian Open, schon designierter USA-Boss, sagte der New York Times, Studien belegten: „Je länger das Match, desto höher die Einschaltquote.“ Für Tiley ist die Sache klar – mehr Sätze, mehr Spannung, mehr Geld. Die Spielerinnen bekommen die Botschaft auf dem Weg zur Wüste serviert.

Coco Gauff, frisch gebackene French-Open-Champion, zuckt mit den Schultern. „Könnte mir helfen, muss es aber nicht. Wenn wir umstellen, dann bitte durchgehend für alle Runden. Sonst verbiegt sich das Turnier.“ Ihre US-Kollegin Jessica Pegula warnt schon vor dem nächsten Kalender-Crash: „Wir kommen jetzt schon kaum durch den Sommer. Fügt zwei Sätze hinzu, fügt zwei Wochen hinzu.“

Iga swiatek zieht die bremse

Iga swiatek zieht die bremse

Iga Swiatek, vier Slams, keine Lust auf ein fünftes Set, attackiert die Logik hinter dem Vorschlag. „In einer Welt, in der TikTok 15 Sekunden zählt, will mir niemand erzählen, dass länger automatisch besser ist.“ Die Polin spricht vom Qualitätsverlust, von Belastungsfrakturen, von Turnieren, die schon jetzt wie Marathonfelt wirken. „Wir sind nicht die Männer. Das ist kein Sexismus, das ist Biologie.“

Die Männer selbst diskutieren übrigens in die Gegenrichtung. Seit Jahren schwirrt das Gerücht, das Herren-Format auf Best-of-three zu kürzen, um jüngere Zuschauer nicht vor dem Bildschirm weg zu locken. Die Ironie: Während die einen länger wollen, wünschen sich die anderen kürzer. Das Geschäftsmodell Sport schwankt zwischen Quantität und Aufmerksamkeitsspannen, die sich immer weiter verkürzen.

Für Sabalenka bleibt die Rechnung simpel: „Meine Chance auf mehr Titel steigt, wenn meine Gegnerinnen kippen.“ Für Swiatek ist sie genauso klar: „Meine Chance auf mehr Titel steigt, wenn ich fit bleibe.“ Die Entscheidung liegt beim Rat der Grand Slams – und der tickt anders als die Shot Clock. Kein Shot, kein Break, kein finales Set. Nur die Uhr des Kalenders, die unerbittlich weitertickt.