Gramelsberger kontert: „der dav erfindet ein klima der angst“

Felix Gramelsberger lässt nicht locker. Der Skibergsteiger, den der Deutsche Alpenverein (DAV) vorläufig suspendiert und von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen hat, wirft dem Verband ein System aus Angst und Diffamierung vor. „Täter-Opfer-Umkehr“, nennt er das – und liefert neue Details, die den Machtkampf im Skimo-Kader eskalieren lassen.

Der vorwurf: kritiker sollen mundtot gemacht werden

Die DAV-Pressemitteilung vom Mittwoch habe bei ihm „den Eindruck bestätigt, dass kritische Stimmen und Hinweisgeber systematisch diffamiert werden sollen“, sagt Gramelsberger im exklusiven Gespräch mit dem SID. Hinzu kämen „nachweislich falsche Aussagen“ des Verbands, die derzeit juristisch geprüft würden. Der 27-Jährige spricht von einem „Schlag ins Gesicht“ – und meint damit nicht nur seine eigene Suspendierung, sondern die seines gesamten Anklage-Trios. Gemeinsam mit Sophia Weßling und einem weiteren Kaderkollegen hatte er Anzeige erstattet: wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt, der langjährige sportliche Leiter wurde freigestellt.

Doch statt die Beschuldigten zu schützen, stellt der Verband die Athleten ab. Begründung: Das Verhalten der drei habe zu einer „deutlich angespannten Situation innerhalb des Skimo-Teams“ geführt. Ein externes Rechtsbüro habe von „Verunsicherung und teils gar Angstatmosphäre“ berichtet. DAV-Präsident Roland Stierle sagt dem Münchner Merkur: „Die Sportler haben mir ihr Herz ausgeschüttet.“ Klingt nach Fürsorge. Gramelsberger sieht das anders.

„Freundschaft mit uns kann repressalien auslösen“

„Freundschaft mit uns kann repressalien auslösen“

Intern herrsche keine Angst vor den Kritikern, sondern vor dem Verband, behauptet er. „Bereits der bloße Anschein einer Freundschaft mit uns könne Repressalien zur Folge haben“, hätten ihm Teamkollegen berichtet. Die Solidarität im Kader sei groß – nur trauen sich viele nicht, sie öffentlich zu zeigen. Gramelsberger betont: „Wir haben uns stets im Sinne des Teams verhalten.“ Das Klima der Angst werde „vom DAV selbst erzeugt“, nicht von denen, die auf Missstände hinweisen.

Der Zeitpunkt ist brisant. In knapp elf Monaten startet die Skibergsteigen-Premiere bei den Olympischen Winterspielen in Cortina. Gramelsberger zählte zu den aussichtsreichsten deutschen Kandidaten. Nun steht seine Teilnahme in den Sternen – und mit ihm der Traum von Olympia. Der Verband signalisiert: Wer klage, fliege. Die Athleten antworten: Wer schweige, werde komplizenhaft.

Der Streit ist nicht mehr nur ein internes Disput. Er ist ein Machttest. Frage: Wer bestimmt die Spielregeln im deutschen Spitzensport – die Funktionäre oder die Athleten? Gramelsberger hat seine Antwort schon parat: „Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen.“ Der DAV schweigt auf Anfrage zu den konkreten Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. Und die Saison wird ohne drei ihrer besten Skimo-Läufer beginnen – ein Selbstschuss, den sich der Verband vermutlich teurer hatte vorstellen müssen.