Goldrausch im letzten angrug: italiens paralympics-helden jagen im slalom und über 20 km den endspurt
Cortina. Neun Stunden, fünf Rennen, ein letzter Schrei. Am finalen Wettkampftag der Winterspiele schraubt sich die italienische Paralympic-Truppe noch einmal auf Höchstgeschwindigkeit. Ab 9.15 Uhr donnern die Sit-Skifahrer über die 20 km des Langlauf-Loipen-Rings, um 10.00 Uhr zischen Bertagnolli, Pelizzari, Bendotti, Palla und De Silvestro im Slalom durch die Stangen, und um 11.00 Uhr jagen Dal Pastro und Toninelli über die 20 km der Standing-Klasse. Es bleibt keine Zeit zum Luftholen.
Flaggenträger Emanuel Perathoner trägt das Azzurri-Trikot voran – und vor allem die Last der Erwartung. Der Snowboarder, der in Pyeongchang noch Bronze geholt hatte, soll das Porträt des Abschlusstages werden. Die Bilder sind bereits eingekalkuliert: Perathoner mit der Tricolore, dahinter die verschneiten Gipfel der Dolomiten, davor ein Land, das sich selbstfeiert.
Der zeitplan der letzten jagd
Die Zahlen sind gnadenhaft klar: 9.15 Uhr Sit-Ski (Spatola, Biglione, Romele), 10.00 Uhr Slalom (Bertagnolli & Co.), 11.00 Uhr Standing-Langlauf (Dal Pastro, Toninelli). Dazwischen keine Verschnaufpause, nur das Ticken der Uhr. Für die Athleten ist das kein Programm, sondern ein Marathon aus Adrenalin, der sich in 165 Minuten abspult.
Die italienische Equipe liegt derzeit zwei Goldstücke hinter China in der Medaillenwertung. Mathematiker haben ausgerechnet: Sollten zwei der fünf Slalom-Fahrer unter die Top-Three rutschen und Dal Pastro in der 20-km-Loipe seine Bestzeit von Sapporo um 45 Sekunden unterbieten, wäre der Sprung auf Rang eins möglich. Statistisch. In der Praxis entscheiden drei Sekunden über Triumph oder Tränen.

Fernsehen und streaming – wo die letzten bilder laufen
Rai 2 überträgt linear, Rai Sport parkt parallel, RaiPlay schickt die Streams in die Smartphones. Und weil selbst die RAI keine Lücke riskiert, flimmert auch Rai 1 zwischen den Nachrichten Kurzclips ein. Die Quoten? Gestern knackte die Vierschanzen-Staffel 3,8 Millionen Zuschauer. Heute peilt der Sender 4 Millionen ein – das wäre ein Rekord für Paralympische Winterspiele im italischen Fernsehen.
20.30 Uhr fällt dann der Vorhang. Die Abschlussfeuer in Cortina sollen laut Organisatoren „die längste Pyrotechnik-Kette der Alpen“ zünden. 1.800 Meter Höhenunterschied, sieben Minuten Feuer, ein einziger Gedanke: Weiter geht’s in zwei Jahren, wenn Mailand die Sommerspiele ausrichtet.
Wer heute zittert, gewinnt morgen die Geschichten. Die letzten Starter haben dreimal die Chance, sich ein Denkmal zu setzen – aus Eisen, nicht aus Marmor. Danach bleibt nur noch die Nacht und das Gefühl, dass Italien an einem Sonntag im März lauter wurde als je zuvor in diesem Winter.
