Gladbach patzt spät – amiri trifft im 98. minute und hält den sommer-fluch am leben
Mönchengladbach schafft es einfach nicht, die Uhr umzustellen. Seit die Zeiger vorwärts gesprungen sind, läuft bei Borussia nichts mehr vorwärts. Beim 1:1 gegen Mainz verspielte die Elf von Eugen Polanski eine 90-minütige Führung in der 98. Minute – und verlängerte die eigenpeinliche Sommerzeit-Serie auf mittlerweile zehn Pflichtspiele ohne Sieg.
Scally trifft früh, doch die führung wirkt wie ein strohfeuer
Die Partie war noch keine sieben Minuten alt, als Joe Scally vom rechten Strafraumeck ins lange Eck traf. Die 50.245 im Borussia-Park atmeten auf – zu früh. Denn wie schon gegen Heidenheim (2:2) vermochte die frühe Führung keine Ruhe zu geben. Mainz, drei Tage nach dem Aus in der Conference League, spielte sich warm und kam vor allem über Paul Nebel zu Hochkarätern. Moritz Nicolas hielt mit Glanzparaden die Führung, doch er konnte nichts dafür, dass Nadiem Amiri acht Minuten nach der Nachspielzeit vom Punkt einschob.
Die Szene war umstritten: Stefan Lainer grätschte im Fünfer, der Ball touchierte seine Hand – Elfmeter, Video-Beweis, Entscheidung steht. Amiri blieb cool. Mönchengladbach blieb sieglos. Und die Tabelle lügt nicht: Platz 13, fünf Punkte zum Relegationsplatz, sieben zum ersten Abstiegsrang. Der Druck steigt.

Rocco reitz pfeift sich selbst aus – leipzig-wechsel wirft schatten voraus
Kapitän Rocco Reitz lief wieder zur Zielscheibe eigener Anhänger. Die Pfiffe wegen seines angekündigten Wechsels zu RB Leipzig begleiten ihn seit Wochen, selbst der Stadionsprecher versuchte zu beschwichtigen: „Das ist unser Spieler, Leute!“ Reitz lief wie ein Berserker, initiierte Konter, stemmte sich gegen das drohende Unentschieden – vergeblich. Seine Zahlen: 78 % Zweikampfquote, meiste Ballgewinne im Mittelfeld. Doch Zahlen retten keine Saison.
Trainer Eugen Polanski wechselte früh dreifach, stellte auf Fünferkette um, verbannte selbst Florian Neuhaus komplett aus dem Kader. Die Botschaft: Leidenschaft vor Klasse. Doch die Mainzer kamen trotzdem. Polanski stapfte nach dem Abpfiff direkt in den Katakomben, ließ seine Spieler auf dem Rasen stehen. Die Sommerzeit ist seine persönliche Hölle.

Nächster gegner wolfsburg – ein sechs-punkte-spiel vor dem horror-endspiel
Bereits am Samstag gastiert Gladbach beim VfL Wolfsburg. Beide Klubs trennen nur drei Punkte, beide wissen: Wer dort verliert, rutscht in den Sog des Relegations-Playoffs. Die letzten fünf Saisonendspiele: Augsburg (A), Dortmund (H), Union (A), Bochum (H). Kein Gegner unter Platz 12. Die Konstellation ist klar: Ein Sieg in Wolfsburg würde die Wolfsburger fast endgültig abhängen, eine Niederlage würde die Borussia wieder ins freie Fallen schicken.
Die Wetterlage passt zur Stimmung: In Mönchengladbach regnet es seit 36 Stunden ununterbrochen. Der Rasen war schwer, die Beine noch schwerer. Die Uhr tickt. Und wer einmal im Sommerloch steckt, kommt da nur mit einem Sieg wieder raus. Ob es gegen Wolfsburg klappt? Die Wette spricht dagegen – und die Statistik auch.
