Giuly kehrt zurück: „das camp nou ist mein wohnzimmer, nicht montjuïc“
Ludovic Giuly steht vor dem Bauzaun, die Augen feucht, das Herz laut. „Ich bin zum ersten Mal seit Jahren wieder hier, beim Camp Nou“, sagt er und deutet auf das Gerippe aus Stahl und Beton. „Dieses Stadion ist mein Platz, nicht Montjuïc. Dort bin ich nie hingegangen, das ist nicht mein Zuhause.“
Der zauber ist noch da – nur anders
Der Franzose, 2006 Champions-League-Sieger mit Barça, spürt die Nostalgie, doch er will kein Museum sein. Er redet von Lamine Yamal, von La Masia, von einem Team, das sich noch im Wachstum befindet. „Es fehlt die dritte Ringtribüne, das Dach, die finale Form“, analysiert er. „Wenn alles fertig ist, wird dieses Stadion atemberaubend sein.“ Aber er warnt: „Noch fehlt viel, um die Champions League zu gewinnen. Gesundheit, Köpfe, kalte Nerven – das sind die Details, die Titel entscheiden.“
Giuly sieht ein Spiel, das schneller geworden ist, körperbetonter, mit weniger Pausen. „Früher haben wir den Ball laufen lassen, heute wird geballert“, sagt er trocken. Doch ein Prinzip bleibt: „Der Gruppe kommt vor dem Einzelnen. Das war 2006 so und ist 2024 nicht anders.“
Er blickt auf die Bank, auf Xavi, auf Hansi Flick, und dann wieder auf Yamal. „Der Junge hat Magie, aber man muss ihn pflegen wie ein Rare Steak – nicht zu lange auf der Platte lassen.“

Handy raus, kopf aus
Giuly wird laut, wenn er über die Smartphones redet. „Katastrophe. Meine Kinder starren stundenlos auf Quatsch. Die Köpfe sind leer, die Gespräche tot.“ Er schlägt auf den Tisch. „Im Katakomben-Talk fehlt der Blick, der Nackenklatscher, der Geruch des Mitspielers. Alles ersetzt durch Likes und Emojis.“
Er will nicht lamentieren, aber er sieht den Individualismus wachsen. „Früher war er da, aber in Dosen. Heute trinken alle aus demselben Zuckerwasser.“
Zum Absatz noch einmal der Blick zurück: „Genießt das Spiel, denkt nicht an das nächste Gehalt, den nächsten Transfer, die nächste Story. Der Moment ist jetzt, nicht in der Timeline.“
