Gidsel am abgrund: handball-superstar packte fast alles
Mathias Gidsel, der Mann, der Dänemark zum Olympiasieg, zur Weltmeisterschaft und zur Europameisterschaft führte, stand kurz vor dem Zusammenbruch. Der mehrfache Welthandballer offenbart im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine erschütternde Erfahrung: Nach dem WM-Titel 2021 in Ägypten folgte ein emotionaler Tiefpunkt, der ihn an den Rand des Abgrunds trieb.

Der preis des ruhms: ein zusammenbruch nach dem triumph
Die Geschichte liest sich wie ein Märchen – bis zu dem Punkt, an dem es zur Tragödie zu verkommen drohte. Gidsel beschreibt, wie der plötzliche Ruhm und der immense öffentliche Druck ihn überwältigten. „Die halbe Nation saß vor dem Fernseher, jeder kannte meine Geschichte, jeder wollte etwas von mir, und ich habe zu allem Ja gesagt. Es hätte eigentlich die beste Zeit meines Lebens sein sollen. Aber irgendwann hatte ich einen Zusammenbruch.“ Er gesteht, abends um sieben ins Bett gegangen zu sein, allein in seiner Wohnung weinend. Ein Zustand, der weit entfernt war von dem Heldenbild, das die Öffentlichkeit von ihm zeichnete.
Viele rieten ihm, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch Gidsel zögerte zunächst. „In den ersten ein, zwei Monaten habe ich immer noch gedacht: Lasst mich, das kann ich selbst regeln.“ Erst als er erkannte, dass er seine Situation nicht alleine bewältigen konnte, suchte er Hilfe – eine Entscheidung, die er heute nicht bereuen würde. Er fand einen Mentaltrainer, der ihm zur Seite steht und ihm hilft, mit den inneren Dämonen umzugehen.
Gidsel beschreibt die Herausforderung als den Kampf zwischen zwei Stimmen: „Da gibt es die Stimme A, dieser Typ, der alles mit seinem Instinkt macht, dem alles ganz leicht fällt. Und da ist Stimme B, der Typ, der über alles nachdenkt, der kommentiert und hadert, der auch die Einflüsse von außen wahrnimmt.“ Diese innere Zerrissenheit kostet Energie. Gidsel lernte, „Stimme A“ zu stärken und sich weniger um „Stimme B“ zu kümmern. Er konzentriert sich darauf, Spaß zu haben, aggressiv zu spielen und Energie zu zeigen – Punkte, die er während des Spiels regelmäßig überprüft.
„Wenn ich guten Handball spiele, dann wird es schwer, mich und mein Team zu schlagen. Aber das Ergebnis selbst nehme ich dafür aus der Gleichung raus.“ Eine Aussage, die zeigt, dass Gidsel gelernt hat, den Fokus auf das Wesentliche zu legen: die Leidenschaft für den Sport und die Leistung des Teams.
Am Freitagabend trifft Gidsel mit Dänemark im Länderspiel gegen Deutschland aufeinander (19.30 Uhr). Das Rückspiel findet am Sonntag in Köln statt (15.30 Uhr). Allerdings steht fest: Der Superstar wird in Köln nicht dabei sein. So soll es zumindest mit den Füchsen Berlin vereinbart sein, die ihren Schlüsselspieler im Saison-Endspurt der Handball-Bundesliga frisch und gesund halten wollen. Ein riskantes Unterfangen, angesichts der Bedeutung des Spiels, aber ein Zeichen dafür, dass die Gesundheit des Spielers Vorrang hat – eine Erkenntnis, die Gidsel selbst am eigenen Leib erfahren musste.
