Gaugisch schaltet runter, um hochzuhängen: dhb-coach jetzt auch bei hbw balingen

Markus Gaugisch trainiert Weltklasse-Torhüterinnen, holt Silber bei der WM – und sucht sich jetzt ein Projekt in der 2. Liga der Männer. Der Bundestrainer der deutschen Handballerinnen wird beim HBW Balingen-Weilstetten Individualcoach für Perspektivspieler. Kein Nebenjob, sagt er, sondern ein Labor für Details, die er zurück in den Frauen-Nationalkader trägt.

Warum ein frauenchecker plötzlich mit junioren arbeitet

Die Antwort steht in der HBW-Zentrale. Geschäftsführer Axel Kromer war früher Sportvorstand des DHB und holte Gaugisch 2022 an die Spitze des Frauenteams. Jetzt kehrt der Coach auf Vereinsebene zurück – mit offiziellem Segel. „Unser Nachwuchs ist unsere HBW-Zukunft“, sagt Kromer. Gemeint ist: Wer Talente früh auf Bundesliga-Niveau schärft, spart später Millionen für Einkäufe.

Gaugisch selbst spricht von „einem verschobenen Mikroskop“. Bei den Damen analysiert er Videoausschnitte bis zur Nacht, um Weltklasse-Backs wie Emily Bölk oder Alicia Stolle neue Impulse zu geben. In Balingen bekommt er Einzeltrainingsplätze mit U-19-Nationalspielern und Bundesliga-Marginalien. Die Methode bleibt dieselbe: Fehler isolieren, Feedback in maximal zwei Sätzen, dann Wiederholung bis zur Automatik. „Den Workflow nehme ich mit, als wäre es ein USB-Stick“, sagt Gaugisch trocken.

Vertrag bis 2028 sicher – trotz doppelbelastung

Vertrag bis 2028 sicher – trotz doppelbelastung

Der DHB hatte zunächst gezögert, schließlich aber zugestimmt. Grund: Gaugisch’ Vertrag läuft ohnehin bis 2028, nach Silber bei der Heim-WM sein Marktwert maximal. Statt externe Berater zu bezahlen, erlaubt der Verband, dass ihr Bundestrainer interne Erfahrungen an einem Zweitligisten sammelt – ein ungewöhnlicher Schachzug, der aber passt, seit der Verband bei den Männern auf Vereins-Trainer setzt (Henrik Signell kommt von MT Melsungen).

Die Zeitbilanz ist straff: Gaugisch wird einmal pro Woche nach Balingen fahren, an Wochenenden bleibt der Fokus auf dem DHB-Kader. Testspielwochen mit den Frauen haben Vorrang, dazwischen schiebt er Mikro-Einheiten für HBW ein. Die Rechnung: 45 Minuten intensives Einzelcoaching können mehr Wirkung entfalten als ein kompletter Gruppentrainingstag, bei dem Talent untergeht.

Die Konkurrenz in der 2. Liga schaut neidisch. Mit HSG Wetzlar oder VfL Eintracht Hagen buhlen Klubs mit Bundesliga-Vergangenheit um Aufstiegsplätze – und müssen sich nun fragen, ob ihr Nachwuchs denselben High-End-Service bekommt. Die Antwort liegt auf dem Hand: 150 Vereine in Deutschland, nur einer hat einen aktiven Bundestrainer als individuellen Lehrmeister.

Markus Gaugisch nennt das Projekt „Cross-Training für Trainerhirne“. Er will wissen, wie sich 17-jährige Jungs unter Druck verbiegen, wenn die Schulterbilder noch wachsen. Die Erkenntnisse fließen zurück in die Videoanalyse mit den Frauen – und könnten genau den Tick liefern, der 2027 bei der WM in Spanien Gold statt Silber bedeutet. Ergebnis offen, Kurs klar: Je mehr Daten, desto kürzer der Weg nach oben.