Gattuso räumt auf: chiesa raus, cambiaghi rein – italiens wm-plan zerfällt
Der Rückkehr-Traum währte nur wenige Stunden. Federico Chiesa verließ das italienische Nationalteam bereits nach dem ersten Training, die Knie-Reaktion stoppte seine WM-Mission. Für Gattuso ist das mehr als nur ein personeller Rückschlag – es ist das Signal, dass sein taktisches Gerüst zu wackeln beginnt.
Der bologneser soll das system umschaltend retten
Gattuso baute seine Offensiv-Optionen auf sechs Halbspieler auf, die zwischen 3-5-2, 3-4-2-1 und 4-2-4 wechseln können. Chiesa war dabei das Multi-Tool, das alle Varianten abdeckt. Nun rückt Cambiaghi nach, weil Orsolini laut Stab „nicht die nötige Frische“ mitbringt und Maldini eher Zehner als Flügelläufer ist. Der Bologneser kann außen wie innen wirbeln – und hat in den letzten fünf Serien-A-Spielen drei Tore vorbereitet sowie 28 Sprints pro 90 Minuten hingelegt, mehr als jeder Konkurrent.
Doch die Rechnung hat einen Haken: Cambiaghi fehlt die Rückraum-Erfene, die Chiesa mitbringt. Gattuso wird seine Aufstellung wohl früher umstellen müssen, falls Gegner die Außenräume zustellen.

Bernardeschi und zaniolo warten auf den notruf
In Turin und Udine fragen sich zwei Spieler, warum das Telefon still bleibt. Bernardeschi liefert bei Toronto FC 6 Scorerpunkte in 8 Partien, Zaniolo erzielte für Udinese in 2024 bereits fünf Tore – beide Formkurven zeigen nach oben. Die Antwort des Trainerteams: Die internen „Lunch- und Dinner-Tests“ zählen ebenso wie Daten. Wer die Gruppendynamik nicht mitträgt, fliegt raus. Zaniolo galt früher als Unruhestifter; heute schwören Udine-Kollegen, er sei „neuer Mensch“. Glaubt ihm Gattuso? Offenbar noch nicht.
Die Kette ist klar: Raspadori ist vorn gesetzt, Retegui, Kean, Esposito, Scamacca blockieren die Spitze. Für Zaniolo bleibt nur die zweite Spitze – ein Platz, der aktuell nicht existiert. Sollte Scamacca seine Oberschenkel-Probleme nicht loswerden, rückt die Notfall-Liste: Piccoli als Target-Man, Maldini als falsche Neun. Zaniolo wäre dann trotzdem nur dritte Wahl.
Die Uhr tickt. In 42 Tagen startet die Qualifikation, und Gattuso muss wissen, ob sein flexibles 3-5-2 auch ohne Chiesa funktioniert. Die Antwort liefert nicht der Arzt, sondern Cambiaghis nächste Aktion – und vielleicht der eine oder andere Anruf an einen ehemaligen Problemfall. Die WM-Tickets werden in den nächsten Wochen vergeben, nicht im Sommer. Italien hat keine Zeit mehr für Sentimentalitäten.
