Gasperini platzt der kragen: 3:3 gegen juve – roma verschenkt die vier-punkte-offensive
Klaus Schäfers Kommentar: Ein Tumult von 90 Minuten, zwei Mal Führung, zwei Mal verspielt, und am Ende steht die Roma beim 3:3 da, als hätte man verloren. Gian Piero Gasperini ballt die Faust, seine Stimme zittert vor Wut – nicht über die Gegner, sondern über das eigene Versagen in den letzten Sekunden. Die Quadratur des Kreises: +4 auf den fünften Platz, aber die Juve tanzt im Olimpico wie nach einem Pokalsieg.
Die eine standardsituation, die alles kaputtmacht
Die Zahlen sind gnadenlos: Erste Freistoßannahme aus der Distanz, erste Gegentor-Szene, erste richtige Unordnung. Gasperini redet von Passivität, von Spielern, die „wie angewurzelt“ stehen, während die Juve ihren zweiten Luftangriff in Serie vollendet. Cristantes Auswechslung nimmt der Roma zehn Zentimeter Kopfballhöhe – und genau diese zehn Zentimeter fehlen, als die Hereingung segelt.
Der Coach zählt auf: Inter, Napoli, Mailand – alle drehen in der Schlussphase auf, während seine Truppe den Matchplan verlässt. „Wir haben drei fast identische Gegentore kassiert, alle aus dem Stand“, giftet er. „Das ist kein Zufall, das ist eine Lektion.“

Gasperinis kampfansage: „wer soll hier depressiv werden?“
Die Kabine ist still, aber draußen jubelt die Juve. Gasperini platzt es heraus: „Die feiern, als hätten sie die Meisterschaft geholt – und wir sollen jetzt unter den Tisch kriechen?“ Mit einem Schlag schlägt er den Kragen der Pressekonferenz hoch. Elf Spieltage sind noch zu gehen, 33 Punkte liegen im freien Fall, und er will keine Tränen, sondern Adrenalin.
Die Tabelle lügt nicht: Roma bleibt vor der Juve, doch die Lücke hätte bei sieben Zählern liegen können. „Dann wäre der Bogen nach oben gerissen“, sinniert er. Stattdessen nagt das 3:3 wie ein rostiges Messer an der Moral. Gasperini fordert „mehr Bosheit im Strafraum“, er will, dass seine Spieler „die Zweikämpfe nicht nur austragen, sondern entscheiden“.

Der blick nach vorn: totti-gerüchte und die angst vor dem großen match-fluch
Die Frage nach Francesco Totti schießt wie ein Pfeil durch den Raum. Gasperini schmunzelt spitz: „Mit ihm habe ich nie gesprochen, aber ich habe eine Idee.“ Mehr gibt er nicht preis – genug Stoff für die Römer Tribünen, die sich zwischen Hoffen und Fürchten bewegen. Denn der Tabu-Big-Match ist Realität: Gegen Napoli, Mailand und jetzt Juve hat die Roma nur vier von neun Punkten geholt.
Die Saison ist nicht am Ende, aber die Uhr tickt laut. Gasperini packt seine Unterlagen zusammen, wirft einen letzten Blick auf die Wandtafel mit den Notizen. „Wir haben die Spiele nicht verloren, wir haben sie nicht gewonnen“, sagt er leise. „Der Unterschied ist ein Atemzug, ein Kopfball, ein einziger Moment.“
Die Roma muss jetzt lernen, dass Meister werden nicht bedeutet, schön zu spielen, sondern schmerzhaft zu enthaupten. Gasperini hat die Anleitung dagelassen – ob seine Spieler sie lesen, entscheidet die nächste Woche.
