Gasperini packt aus: warum er roma liebt – und wie 1,65-meter-kicker weltstars werden
„Ich wollte immer die härteste Bühne. Deshalb bin ich nach Rom gekommen.“ Gian Piero Gasperini lässt keinen Zweifel: Der 67-Jährige hat den Job beim AS Roma nicht aus Kalkül, sondern aus Leidenschaft angenommen. Vor 400 Studierenden der katholischen Universität Mailand lieferte er am Mittwochabend ein Manifest ab, das weit über Fußball hinausgeht.
Der mythos vom scheitern – ein wort, das gasperini hasst
„Es gibt kein Scheitern. Es gibt nur Siege und Lernen“, sagt er und schmettert damit jede Twitter-Tirade nach der 2:3-Pleite gegen Juve. Der Trainer erklärt, warum die Aufholjagd seiner Mannschaft ihn wütend machte – und gleichzeitig stolz. „Wenn wir 3:2 gewinnen, feiern wir und sehen die Fehler nicht. Die Niederlage war ein Geschenk.“ Die Studenten klatschen, als hätte er soeben die Curva Sud in den Hörsaal geholt.
Gasperini spricht offen über seine Zeit bei Inter, die nach drei Spielen endete. „Damals dachte ich: Das war’s. Nie wieder Top-Club.“ Er lacht, zieht die Augenbrauen hoch. „Dann habe ich mir Atalanta selbst gebaut. Und aus Bergamo wurde Europa.“ Die Moral: Ein Stolperstein kann die beste Sprungplatform sein – wenn man sich traut, wieder abzustoßen.

Kleine kicker, große träume: warum größe nur eine zahl ist
1,65 Meter? Für Gasperini kein Makel, sondern ein Vorteil. „Die besten Dribbler, die ich trainierte, waren klein. Ihr Schwerpunkt liegt tiefer, ihr Herz höher.“ Er zieht Josip Ilicic als Beispis heran, dessen Depression er nicht mit Motivationssprüchen, sondern mit Geduld behandelte. „Ich bin kein Psychologe. Ich bin Trainer. Aber ich kann zuhören.“
Der 67-Jährige wettert gegen italienische Akademien, die Kids nach Schulnoten selektieren. „In Spanien spielt der 1,65-Meter-Junge Tiki-Taka, weil er kann. Bei uns fragt der Scout erst, ob er schon Bart hat.“ Das Ergebnis: Italien verliert Talente, weil es Körper vor Kopf stellt. „Wir parken Kinder in Fußballschulen, statt sie zu formen. Sport ist kein Betreuungsprogramm, er ist Bildung.“
Sein Fazit ist ein Pfiff gegen den italienischen Pessimismus. „Wenn ihr Medizin studiert, rettet ihr Leben. Wir liefern Unterhaltung. Aber beide Berufe haben eins gemeinsam: Wer Angst hat, verliert vor dem ersten Schritt.“ Die Studenten jubeln, als hätte Roma gerade das Derby gewonnen. Gasperini verlässt den Raum – und lässt eine Aufgabe zurück: Mut spielen, egal wie groß das Feld ist.
