Freiburg jagt bayern-sensation – schuster: „wir wollen leiden und jubeln“
Elf Jahre hat der SC Freiburg auf diesen Moment gewartet. Am Samstag, 15.30 Uhr, rollt der Ball gegen den Rekordmeister – und Julian Schuster will die Statistik endlich in die Mülltonne treten. „Mit einem selbstbewussten Blick auf uns selbst“, wie er sagt, stapelt der Coach Holz vor der Hütte, statt Angst zu schüren.
Die schmach von 2015 sitzt tief
3:2 hieß es zuletzt vor eigenem Publikum, damals saß Schuster als Reservist auf der Bank. Die Erinnerung brennt. „Die Emotionen sind mir sehr präsent“, gibt er zu, „aber diesmal bin ich nicht nur dabei – ich lenke das Schiff.“ Die 3-4-3-Umschaltung der Breisgauer ist in dieser Saison auf Europaniveau geölt, doch gegen Bayern zählt nur eine Waffe: Chancen vernichten und Konter wie Rasierklingen.
Die Zahlen sind brutal: 14 Pleiten in den letzten 15 Pflichtspielen gegen die Münchner, nur zwei Treffer in den jüngsten fünf Heimduellen. „Dennoch freuen wir uns“, lacht Schuster, „denn sich mit den Besten messen zu dürfen, gibt zusätzliche Energie.“ Das Leiden ist Programm – und trotzdem will er mit seinen Jungs in die Kabine schreien, nicht in den Keller kriechen.

April wird zum marathon: celta, stuttgart, europa – alles drin
Mit dem Bayern-Kracher beginnt für Freiburg der wohl heftigste Monat der Klubgeschichte. Donnerstag darauf folgt das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League bei Celta Vigo, danach das Pokal-Halbfinale beim VfB Stuttgart. Drei Wettbewerbe, neun Tage, ein Kader. „Wenn ich morgens den ersten Schritt aus dem Bett mache, muss das präsent sein“, sagt Schuster. Der Trick: Rotation nur auf zwei, drei Positionen, dafier aber mit Vollgas.
Die Europa-League-Quali über die Liga ist noch drin – Platz sechs reicht. Doch die Punkte gegen Bayern wären ein Turbo. Sportvorlage Klemens Hartenbach flüstert: „Ein Sieg gegen die Münchner würde uns mental in eine andere Galaxie schießen.“ Die Fans haben bereits 28 000 Tickets fürs Sechzehntelfinale sichern wollen, die Schwarzwald-Stadt brodelt.
Schuster bleibt cool: „Wir wollen leiden – und dann jubeln.“ Wenn die Uhr am Samstag auf 90 steht, könnte eine Elf-Jahre-Fluch-Geschichte endlich ein Happy End bekommen. Und der Coach? Dann sitzt er nicht mehr auf der Bank, sondern läuft mit seinem Team in den Rücken der Südkurve. Ohne Reservistenrolle, dafür mit Sieg im Gepäck.
