Frei entzaubert betonmauer: schweizer u21 ringt färöer nieder

Thun – 89 Minuten lang wälzte sich der Ball wie in einem Handtuch, dann riss die Betonmauer. 1:0 gegen die Färöer, und Alex Frei springt mit einem Satz aus der Coaching-Zone, als hätte er selbst wieder getroffen. Sein Debüt als U21-Chef: kein Feuerwerk, aber ein nackter Sieg, der die Schweiz zurück auf Kurs zwei der Qualifikation schiebt.

Elf gäste im eigenen strafraum – und trotzdem war das spiel lange ein rätsel

2000 Zuschauer in der Stockhorn Arena sahen dasselbe Bild auf Repeat: Rot-weiße Trikots umkreisen den gegnerischen Sechzehner wie Motten das Licht, doch drinnen stehen schon wieder elf Färinger, dicht an dicht. «Wir wussten, dass wir nicht gegen Fußballer, sondern gegen eine Mentalität spielen», sagt Frei nach Abpfiff. Als Spieler hatte er den Kleinstaat dreimal gebeutelt, als Coach musste er erst lernen, dass Geduld kein Taktikfach, sondern eine Charakterfrage ist.

Die erste Halbzeit war ein Lehrstück für kontrolliertes Ringen ohne Einschlag. Athekame peitschte rechts die Linie entlang, doch seine Flanken platschten ab wie Tennisbälle gegen ein Wände-Modell. Gygax‘ Kopfball zischte knapp drüber – mehr gab der Gegner nicht her. Die Pausenpfiffe klangen wie ein Stöhnen: Too much possession, too little punch.

Frei stellte um. Eine Spur mehr Tempo, eine Spur wenig Mitgefühl. In der 66. Minute dann der Moment, der alles entschärft: Zuber chippt, Athekame stochert, und plötzlich rollt der Ball langsam über die Linie. Der Assistent hebt die Fahne, das Stadion atmet 90 Minite Druck auf einmal aus.

Island liegt gleichauf – doch frei schickt schon die nächste warnung

Island liegt gleichauf – doch frei schickt schon die nächste warnung

Die Tabellen-Situation: Schweiz und Island bei sechs Punkten, Türkei einen Zähler vorneweg. Frei aber redet das Erfolgserlebnis klein: «Dieser Sieg ist wertlos, wenn wir am Dienstag nicht nachlegen.» Die U21 muss nach Moldawien, wo der Platz miserabel und die Gegner unbequem sind. Wer dort stolpert, fliegt raus aus dem Ticket-Rennen für die Endrunde.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Drei Tore in vier Spielen – das reicht hinten und vorne nicht. Frei will mehr Schnittstellen durchbrechen, mehr Verticalität. «Wir müssen lernen, kleine Räume zu hacken, statt sie nur zu umrunden», fordert er. Der Goldene Handschuh von einst verlangt jetzt Goldene Köpfe.

Am Ende bleibt ein Sieg, der sich anfühlt wie ein Schulterschluss mit der Zukunft. Die Schweizer U21 ist wieder in Schlagdistanz, doch die Schlagkraft will Frei erst noch einbauen. Dafür hat er vier Tage – und eine Mannschaft, die endlich verstanden hat, dass Geduld nur der Vorspann zum Tor ist.