Frattesi verabschiedet sich still: letzter inter-auftritt ohne minuten

Davide Frattesi saß. Und saß. Und saß. Während selbst der dritte Keeper Di Gennaro und der 17-jährige Mosconi noch ihre Sekunden im Giuseppe-Meazza-Stadion kriegten, blieb der Mittelfeldspieler die gesamte Partie gegen Verona auf der Bank – wahrscheinlich seine letzte im Inter-Trikot.

Kein einziger wechsel mehr für den eurofighter

Als Dimarco, Zielinski und Pio Esposito kurz nach der Pause einliefen, klatschte Frattesi noch beherzt mit. Als Mosconi folgte, hob er die Augenbrauen. Als Di Gennaro schließlich in der 89. Minute das Tor betrat, lächelte er nur noch flüchtig. Die Kamera fing seinen Gesamtausdruck ein: müde, gelassen, aber nicht verbittert. „Du bekommst nie genug Einsatzzeit, Marcel“ – so ein Scherz in Richtung Dimarco, der lachend zurückpöbelte. Der eigene Einsatz blieb aus.

Nach dem Schlusspfiff schlenderte Frattesi durch den Ehrenkordon, gratulierte, klatschte, hob die Meisterschale – und verschwand rasch im Tunnel. Kein gebührender Abschied, kein Solo-Foto. Nur ein kurzer Wink Richtung Nordkurve, als wüsste er: Das war’s.

Ein tor gegen barça – danach nichts mehr

Ein tor gegen barça – danach nichts mehr

Die Saisonbilanz des 24-Jährigen liest sich wie ein verunglücktes Drehbuch. Nach dem 1:0 im Halbfinale der Champions League gegen Barcelona am 6. Mai 2025 jubelte ganz Mailand mit ihm. Seitdem: kein Treffer mehr, keine entscheidende Vorlage, dafür Muskelfaserrisse, Sprunggelenkprobleme und ein Platz in der André-Onana-Zone der Bank. Neue Rollen verteilte Coach Cristian Chivu, Frattesi rutschte auf Position sieben, acht, neun – immer weiter weg vom Zentrum.

Der Club wollte ihn im vergangenen Sommer für rund 30 Millionen Euro ziehen lassen, Nottingham Forest zögerte, das Fenster schloss sich. Jetzt dürften 20 bis 25 Millionen reichen, um den Deal doch noch zu stemmen. Inter muss verkaufen, will verkaufen, wird verkaufen. Frattesi selbst hat laut Insidern signalisiert, dass er „neuen Wind“ braucht.

Der nächste flug geht ohne ihn

Der nächste flug geht ohne ihn

Kein Streit, kein Tränendrucken. Beide Seiten trennen sich im stillen Einverständnis. Für Inter bedeutet das rund 35 Millionen Euro an frischem Budget, wenn man die eingesparten Gehaltsposten mitrechnet. Für Frattesi bedeutet es den Neustart, den er seit Monaten heimlich einfordert.

Am Sonntagabend verließ er das Stadion bereits mit Privatkleidung, Tasche über der Schulter, AirPods im Ohr. Kein Fan blockierte seinen Weg, kein Reporter hielt ihn auf. Die Mannschaftsbusse fuhren Richtung Piazza del Duomo, um die Meisterfeier fortzusetzen. Frattesi bestieg ein Taxi in die andere Richtung. Die Trennung ist beschlossene Sache – sie beginnt schon jetzt, lautlos und endgültig.