Franzreb kehrt zurück: „in den play-offs zählt nur sieg – keine erinnerungen“
Maximilian Franzreb muss sich keine emotionale Show liefern lassen. Er ist nicht nach Bremerhaven gereist, um zu winken oder alte Trikots zu küssen. Der 29-Jährige ist Adler-Torwart, und seine Aufgabe lautet: die Pinguins aus dem Play-off-Wirbel fegen. „Über sieben Spiele gibt es keine Freunde“, sagt er knapp – und meint damit die komplette Viertelfinal-Serie, die am Mittwochabend in Mannheim beginnt.
Die bilanz ist makulatur
Man könnte meinen, die Adler dürften mit breiter Brust ans Eis gehen: vier Siege in vier Saisonduellen, Tore 16:7. Doch Franzreb schlägt dem Gedanken ein Loch ins Netz. „Saisonstatistik wird gelöscht, sobald das erste Bully fällt.“ Er kennt die Mentalität in der Eisarena an der Weser. 2021 bis 2025 stand er dort selbst zwischen den Pfosten, wurde Vize-Meister, Nationaltorwart, Vater. Er weiß, wie schnell eine Kulisse, die ihn einst feierte, nun jeden Schuss verflucht.
Seine alten Mitspieler haben ihn schon vor Wochen gefragt, ob er denn „Karten für die Familie“ brauche. Er lehnte ab. „Ich fahre nicht als Zuschauer, ich fahre als Schrecken.“ Trotzdem wird es seltsam sein, wenn er am Freitag erstmals in Bremerhaven aufs Eis glittet – und statt Anfeuerung gellende Pfiffe erwartet.

Tore werden mangelware sein
Franzreb prophezeit eine Serie „mit wenigen Toren und viel Gedränge“. Die Pinguins spielen eng an der Bande, setzen auf Umschaltmomente, die Adler auf Dauerbeschuss. Entscheidend sei, „wer vor beiden Gehäusen die loose pucks wegräumt“. Kurz gesagt: zweites Bemühen, erstes Tor. Er selbst will die Null so lange wie möglich halten. In den Pre-Play-offs gegen Nürnberg kassierte er nur drei Gegentore in zwei Spielen – beste Referenz.
Die Psychologie hält er für simple: „Wer zuerst vier Mal gewinnt, der fährt weiter. Der Rest packt die Sachen.“ Eine Serie kann kippen durch einen Abpraller, durch einen Referee-Pfiff, durch einen Fehler auf Vorlage – oder eben durch einen Torhüter, der sich in einen Schneesturm verwandelt.

Rückkehr ohne rosinenpicker
Natürlich kennt Franzreb die Vorlieben von Steven Whitney, Pascal Brunner oder Maximilian Kislinger. Er weiß, wer den Schlenzer an die Latte sucht, wer den Handrücken-Check bevorzugt. Doch er wird sich nicht verrückt machen lassen. „Die Jungs sind clever. Die wissen, dass ich es weiß – und verändern ihre Laufwege.“ Also trainiert er Reflexe statt Rekognoszierung. 62 Trainingseinheiten seit Februar, 1.800 Shots pro Woche im Videocamp. Die Zahlen lügen nicht.
Am Freitag, 19.30 Uhr, steht er im Kasten, das Publikum wird toben. Seine Tochter wird zu Hause bleiben – „zu laut, zu spät“. Aber sie kennt den Papa vor allem als Maskenmann, der nach dem Spiel stolz den Puck aus dem Netz zieht und ihn ins Regal legt. Inzwischen hat er schon 14 solcher „Andenken“. Gegen Bremerhaven könnten vier weitere folgen, will er die Serie früh entscheiden.
Franzreb lacht nicht, wenn Reporter nach „Gefühlen“ fragen. „Gefühle bringen dich nicht in die nächste Runde.“ Was zählt, ist die Schaufel, mit der er jeden Puck aus der Gefahrenzone fegt. Wenn am Ende des siebten Spiels – sollte es denn so weit kommen – die Sirene schrillt, wird er sich nicht umdrehen. Dann geht es entweder nach München ins Halbfinale – oder in den Urlaub. Ohne Abschiedswelle, ohne Sentimentalität. „Sport ist gnadenlos“, sagt er. „Und ich bin gekommen, um zu gewinnen.“
