Forster jagt gold, marchand bricht zusammen – paralympics-tag 6 in cortina

Anna-Lena Forster fliegt auf 1.700 Metern über dem Meeresspiegel wieder in die Favoritenrolle. Nach Gold und Silber ist der Riesenslalom ihre dritte Chance auf Edelmetall. Die 28-Jährige startet als Spitzenreiterin in die Läufe – und das, obwohl sie selbst sagt, dass sie „noch nie so nervös“ war. Die Piste am Tofana liegt im Schatten, die Kanten müssen sitzen. Jede Fehllinie kostet Hundertstel, jeder Hundertstel kann über Gold entscheiden.

Die tragödie von kathrin marchand

Während Forster auf Sieg fährt, endet für Kathrin Marchand der Traum in einem Schwächeanfall. Die 36-Jährige bricht auf Kilometer fünf des Zehn-Kilometer-Laufs zusammen. 23 Sekunden Vorsprung auf Platz vier – und dann nichts mehr. „Die Lichter gingen langsam aus“, sagt DBS-Sprecher Benjamin Schieler. Marchand muss sich an den Streckenrand setzen, gibt auf. Die Bilder zeigen sie, wie sie mit leerem Blick ins Tal starrt. Die Jury hatte verzichtet, die Strecke zu salzen. Bundestrainer Ralf Rombach schimpft: „Das war nicht würdig.“

Ein Skandal, der sich hinter dem medialen Riesenslalom versteckt. Die Streckenverhältnisse waren „Scheiße“, sagt Marchand selbst. Para-Sportler brauchen festen Untergrund, keine Pulverschnee-Piste. Die Entscheidung, auf Streckensalz zu verzichten, wirft Fragen auf. Wer trägt die Verantwortung? Der Veranstalter schweigt.

China dominiert, deutschland schaut zu

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Im Curling-Stadium von Cortina kracht es. Wang Meng und Yang Jinqiao schieben Südkorea mit 9:7 in die Knie – im Extra End. China holt bereits seine zehnte Goldmedaille. Der Medaillenspiegel wirkt wie ausgedruckt aus Peking 2022. Deutschland? Fehlanzeige. Kein Mixed-Duo, kein Team. Die Entscheidung, nicht zu starten, war schon vor Monaten gefallen. Jetzt zahlen die Verantwortlichen Lehrgeld.

Und dann da: Theo Bold läuft mit Ersatz-Guide Adrian Schuler. Sein Bruder Jakob liegt zu Hause mit Fieber. „Wir haben’s trotzdem gerockt“, sagt Bold nach Rang acht. Ein kleiner Sieg, der größer wirkt als manche Medaille.

Am Donnerstag steht das Viertelfinale im Para-Eishockey an. Die DEB-Auswahl trifft auf die Slowakei – ein Nachbarschaftsduell mit Nachgeschmack. Drei Niederlagen in der Vorrunde, jetzt oder nie. Kapitän Christian Jaster sagt: „Wir haben nichts zu verlieren.“ Außer vielleicht die letzte Chance auf einen Medaillenfarbton, der nicht Silber oder Bronze ist.

Die Spiele in Cortina sind halb vorbei. Für Forster beginnt jetzt die Stunde der Wahrheit. Für Marchand beginnt die Zitterpartie um Olympia 2030. Und für den deutschen Verband beginnt die Rechnung: Was war Plan, was war Pech – und was war einfach nur schlechte Vorbereitung?